Ein Bandscheibenvorfall ist eine meist plötzlich auftretende Verlagerung von Gewebe des Gallertkerns der Bandscheibe (sogenannter Nucleus pulposus) nach hinten in den Rückenmarkskanal (auch als Spinalkanal beziehungsweise Wirbelkanal bezeichnet) oder hinten-seitlich zu den Nervenwurzeln. Seltener kann diese Verlagerung auch langsam zunehmend in den Rückenmarkskanal vordringen. Egal ob plötzlich oder langsam, der Druck auf die sich dort befindlichen Nerven verursacht
Schmerzen, Lähmungen und/oder Gefühlsstörungen. Dazu später mehr. Zunächst nähere Informationen zur Bandscheibe:
Die Bandscheibe selbst besteht aus einem äußeren faserigen Knorpelring, der den weichen, gallertartigen Kern umgibt. Bandscheiben wirken wie ein Wasserkissen. Sie dämpfen Stöße ab und unterstützen die Wirbelkörper in ihrer Bewegung. Diese Funktion der Bandscheiben nimmt ab etwa dem 30. Lebensjahr ab. Das ist Folge eines natürlichen Alterungsprozesses, bei dem Festigkeit und Elastizität des Knorpelrings nachlassen. Wenn sich dabei allerdings der Knorpelring über den Rand des Wirbelkörpers schiebt, sprechen Ärzte von einer Bandscheibenvorwölbung oder Protrusion. Dies ist ein Vorstadium für einen möglichen Bandscheibenvorfall. Im Stadium der Vorwölbung ist der Knorpelring noch intakt. Bei zunehmender Belastung kann der Knorpel undicht werden und der gallertartige Kern der Bandscheibe kann sich bis an den Rückenmarkskanal vorwölben. Man spricht dann von einem Bandscheibenvorfall, dem
Prolaps. Ab einem gewissen Alter (etwa 50 bis 60 Jahre) hat der Gallertkern all seine Flüssigkeit verloren, sodass in diesem Alter Vorfälle kaum noch vorkommen.
Rückenschmerzen sind dann meist Folgen von Abnutzungserscheinungen der Bandscheiben und der kleinen Wirbelgelenke (siehe
Arthrose).
Ob Vorwölbung oder Vorfall, in beiden Fällen kann es zu äußerst schmerzhaften Quetschungen von Nervenwurzeln, die zwischen den Wirbelkörpern den Rückenmarkskanal verlassen, kommen. Es kann aber auch sein, dass Sie einen Bandscheibenvorfall haben, ohne es zu bemerken. Rund 20 Prozent aller Menschen unter 40 Jahren haben einen Bandscheibenvorfall ohne irgendwelche Probleme. In der Altersstufe ab 40 Jahren sind es sogar 27 Prozent. Das Gefährliche daran ist: Manche Menschen haben Rückenschmerzen und einen Bandscheibenvorfall. Der Bandscheibenvorfall ist aber gar nicht die Ursache der Rückenschmerzen. Eine ausschließliche Behandlung der Bandscheiben wäre in diesem Fall eine Fehlbehandlung.
Nun zu den Beschwerden: Die Beschwerden bei einer Bandscheibenvorwölbung oder einem Bandscheibenvorfall sind je nach betroffenem Wirbelsäulenabschnitt unterschiedlich. Die Art der Schmerzausstrahlung kann Ihrem Arzt wichtige Hinweise auf den Ort des Schadens geben. Allgemeine Symptome, die für einen Bandscheibenvorfall oder eine Bandscheibenvorwölbung sprechen:
- Schmerzen in der betroffenen Region der Wirbelsäule
- in den Verlauf der betroffenen Nervenwurzel ausstrahlende Schmerzen, zum Beispiel in die Arme oder in die Beine (Verstärkung bei Husten und Niesen)
-
Muskelschwächen bis hin zu Lähmungserscheinungen
- Taubheitsgefühle
- Empfindungsstörungen (wie Kribbeln oder Ameisenlaufen)
- Störungen der Reflexe.
Spezielle Symptome, die bei einem Vorfall in bestimmten Abschnitten der Wirbelsäule auftreten:
- Halswirbelsäule: Kopfschmerzen, Kribbeln entlang der Arme bis in die Fingerspitzen, Schmerzen im Schulter-Nacken-Bereich, Kraftminderung der Arme, Bewegungseinschränkungen der Arme und Missempfindungen
- Brustwirbelsäule: ringförmige Schmerzen im Brustkorb, oft als Herzschmerzen fehlgedeutet
- Lendenwirbelsäule: Kreuzschmerzen und in die Beine ausstrahlende Schmerzen, verbunden mit Missempfindungen, Taubheitsgefühlen in den Beinen (sogenannte Reithosenanästhesie) sowie Kraftminderung in Beinen oder Füßen
- Steißbeinbereich und obere Lendenwirbelsäule: Potenzstörungen, Störungen der Blasen-und Mastdarmfunktion.
Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) sind wesentlich häufiger als andere Bandscheibenvorfälle.