Arthrose - welches Schmerzmittel hilft?

Bei Patienten mit Arthrose verschleißen die Gelenke, weil der Knorpel Schaden nimmt. Doch welche Medikamente helfen gegen die Schmerzen in Knie und Hüfte?
Von Ingrid Müller

Inhaltsverzeichnis
Bildergalerie: Arthrose - 6 schützende TIpps
Was ist Arthrose?
Arthrose - Ursachen, Symptome, Behandlung
Arthrose - das wirksamste Schmerzmittel
Schmerzmittel - wie lange einnehmen?
Ist Arthrose heilbar?
Gelenkschmerzen - Ursache, Symptome, Behandlung

Was ist Arthrose?

Die Arthrose (Gelenkverschleiß) ist eine Gelenkerkrankung, bei der der Knorpel zwischen den Gelenken geschädigt wird. Die Knorpelmasse im Gelenk verringert sich und dadurch reibt schließlich Knochen an Knochen. Es ist eine der häufigsten Gelenkerkrankungen weltweit, die mit dem Alter zunimmt. Ab dem 60. Lebensjahr seien gut die Hälfte der Frauen und ein Drittel der Männer betroffen, vor dem 30. Lebensjahr seien es nur 1,6 Prozent, berichtet die Deutsche Arthrose-Hilfe e.V. In Deutschland leiden etwa fünf Millionen Frauen und Männer unter Beschwerden, die durch eine Arthrose verursacht werden – Tendenz steigend. Zwei Millionen Menschen haben sogar täglich aufgrund ihrer Arthrose Schmerzen in ihren Gelenken.

Eine häufige Ursache der Arthrose ist eine langjährige Überlastung und Überbeanspruchung der Gelenke. Die Arthrose führt zu Schmerzen in den betroffenen Gelenken, Bewegungseinschränkungen, verminderter körperlicher Aktivität und auch zu einem erhöhten Sterberisiko. Das betroffene Gelenk entzündet sich, schwillt an und schmerzt. Am häufigsten betroffen sind die Gelenke von Knie und Hüften - also jene Scharniere, die am meisten Gewicht tragen und im Alltag am meisten aushalten müssen. Aber auch jedes andere Gelenk kann erkranken, etwa an den Händen oder den Zehen. So haben viele Patienten Arthrose nicht nur in einem, sondern gleichzeitig in sechs und mehr Gelenken. Die Arthrose des Hüftgelenks trifft Männer und Frauen gleichermaßen. Allerdings leiden Frauen im Alter doppelt so häufig an einer Arthrose der Knie- und Fingergelenke wie Männer.

Gegen die Gelenkschmerzen wird eine Reihe von Medikamenten eingesetzt. Doch welches hilft, welches nicht?

Arthrose - das wirksamste Schmerzmittel

Das versuchte die Forschergruppe um Sven Trelle von der Universität Bern herauszukriegen. Sie nalysierte 74 Studien mit insgesamt 58.556 Patienten, die unter Knie- und Hüftarthose litten. Untersucht wurde, wie gut 22 medikamentöse Therapien und Placebo (Scheinmedikament ohne Wirkstoff) die Schmerzen reduzierten und die Beweglichkeit verbesserten. Diese 22 Therapien beinhalteten unterschiedliche Dosierungen von Paracetamol und von sieben verschiedenen nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Zu den NSAR zählen unter anderem Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen oder Indometacin.

Paracetamol wirkte den Forschern zufolge nicht besser als ein Placebo gegen die Schmerzen. Zwar konnte Paracetamol die Schmerzen ein wenig stärker lindern als das Scheinmedikament und die Patienten konnten sich auch minimal besser bewegen. Aber die Unterschiede zwischen Paracetamol und Placebo stuften die Forscher als extrem gering und damit als irrelevant ein – das galt übrigens unabhängig von der Dosierung des Medikaments.

Dagegen schnitten Diclofenac und - mit leichten Abstrichen Etoricoxib - bezüglich der Schmerzen und der Beweglichkeit deutlich besser ab als viele Schmerzmittel, die sich neu auf dem Markt befinden. „Ärztinnen und Ärzte müssen zusammen mit den betroffenen Patientinnen und Patienten entscheiden, welches Medikament sie einsetzen“, sagt Trelle. „Unsere Studie hilft, dass diese Entscheidung nun auf einer solideren Grundlage getroffen werden kann.“ Allerdings, so schreibt Nicholas Moore von der Universität Bordeaux in einem Kommentar zur Studie,  schließ die Analyse manche NSARs, die häufig verwendet würden, nicht ein. Diese Medikamente seien vielleicht genauso effektiv, aber deutlich günstiger.

Schmerzmittel - wie lange einnehmen?

Die Gelenkschmerzen bei Arthrose werden nach einem Stufenschema behandelt, in dem der Arzneistoff Paracetamol und die NSAR eine wichtige Rolle spielen. Wie die Forschungsgruppe schon in früheren Arbeiten gezeigt hat, haben die untersuchten Medikamente zum Teil erhebliche Nebenwirkungen, vor allem wenn sie dauerhaft als Therapie eingesetzt werden. Paracetamol gilt im Vergleich zu anderen Schmerzmitteln noch als Mittel mit relativ wenigen Nebenwirkungen. Bei einer dauerhaften Einnahme kann es in seltenen Fällen zu schweren Nebenwirkungen wie Leberschäden kommen. Diclofenac erhöht dagegen das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen.

Gerade bei Patienten mit Arthrose ist die Wahl des richtigen Mittels eine Herausforderung  – wegen ihres oft fortgeschrittenen Alters und weil sie häufig mehrere Medikamente einnehmen müssen. Die Forscher empfehlen deshalb, nicht nur das richtige Präparat auszuwählen, sondern es auch möglichst kurzzeitig einzusetzen. „Die Arthroseschmerzen verlaufen häufig in Schüben, und aufgrund der Nebenwirkungen empfehlen wir, die NSAR so kurz wie möglich zu verschreiben“, sagt Stephan Reichenbach,  Rheumatologe und Mitautor der Studie.

Ist Arthrose heilbar?

Arthrose ist eine Krankheit, die zwar nicht heilbar ist - ein einmal geschädigter Knorpel wächst nicht wieder nach. Aber sie ist therapierbar. Die Arthrose wird (ohne Operation = konservativ) mit Medikamenten, Bewegungsschulung und dem Einsatz entlastender Hilfsmittel therapiert. Wenn sich die Schmerzen durch keine Arthrosebehandlung lindern lassen, kommt ein künstlicher Gelenkersatz - eine Endoprothese - in Frage. Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland besitzen heute ein künstliches Gelenk. Rund 390.000 Patienten bekommen jährlich hierzulande ein neues Hüft- oder Kniegelenk. Etwa jeder zehnte Eingriff ist eine Austauschoperation, bei der eine vorhandene Endoprothese durch eine neue ersetzt wird. Ein künstliches Gelenk halte etwa 20 Jahre und mehr, so die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU).

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