Glutenunverträglichkeit Ursachen

Die Zöliakie ist eine Autoimmunkrankheit, also eine fehlgeleitete Reaktion der körpereigenen Abwehr gegen eigenes Gewebe. Diese Fehlreaktion führt dazu, dass der Dünndarm das sogenannte Klebereiweiß Gluten nicht verträgt. Gluten ist in vielen bekannten Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel, Tritikale und Grünkern enthalten, aber auch in älteren jedoch wieder vermehrt auf dem Markt befindlichen Getreidesorten wie Emmer (Zweikorn), Einkorn, Kamut, Urkorn und sonstigen Weizenverwandten.

Normalerweise besteht die Schleimhaut des Dünndarms aus einer Vielzahl winziger fingerförmiger Falten, den sogenannten Darmzotten. In diesen werden die Nährstoffe aufgenommen (resorbiert). Bei Zöliakie wird durch eine Glutenzufuhr die Dünndarmschleimhaut langsam krankhaft umgebaut und die Zotten bilden sich zurück. Dadurch wird die Fläche, die Nahrungsbestandteile aus dem Darm aufnimmt, kleiner. Es kommt zu einem Mangel an Nährstoffen, Vitaminen, Mineralstoffen (Elektrolyten) und Spurenelementen.

Über die Ursache der Glutenunverträglichkeit weiß man bislang nicht allzu viel. Zumindest ist sicher, dass die Neigung zur Zöliakie vererbt werden kann. Etwa zehn Prozent der Verwandten ersten Grades von Patienten mit Zöliakie sind ebenfalls betroffen. Diskutiert werden weiterhin ein Enzymmangel in der Dünndarmschleimhaut sowie eine Antigen-Antikörper-Reaktion des Körpers. Neuerdings entdeckten Wissenschaftler, dass der Austausch eines einzigen winzigen Eiweißbausteins (einer Aminosäure) in einem an der Immunabwehr beteiligten Eiweiß für die Entstehung der Zöliakie mitverantwortlich ist. Durch diese fehlerhafte Aminosäure bleibt Gluten länger im Darm gebunden, was wiederum eine Überreaktion der körpereigenen Abwehr auslöst. Nach wiederholtem Kontakt von Gluten mit der Darmschleimhaut kommt es zum Krankheitsbild der Zöliakie.

Zöliakie tritt gehäuft bei Menschen mit anderen Autoimmunerkrankungen auf - wie zum Beispiel Diabetes mellitus vom Typ 1. Andere Erkrankungen, die vermehrt mit Zöliakie einhergehen, sind:

  • Down-Syndrom (20 mal häufiger als in der Allgemeinbevölkerung)
  • Lebererkrankungen
  • autoimmune Entzündung der Schilddrüse (Autoimmunthyreoiditis)
  • Entzündung der Zunge mit Gewebeschwund (Athrophe Glossitis)
  • Herzmuskelerkrankungen (Autoimmun-Myokarditis, Dilatative Kardiomyopathie)
  • Nierenerkrankungen (IgA-Ablagerungen in der Niere)

Bis vor gut zehn Jahren nahm man an, dass Zöliakie eine seltene Erkrankung ist (hierzulande 1 von 2000). Bis dahin hat man die Häufigkeit anhand der Zahl von Patienten bestimmt, die Beschwerden zeigen. Neuere Reihenuntersuchungen auf spezielle Antikörper haben ergeben, dass wesentlich mehr Menschen von Zöliakie betroffen sind. In Deutschland etwa 1 von 500. Doch nur 10 bis 20 Prozent der Menschen mit diesen Antikörpern erkranken auch an Zöliakie.