„Mama, es brennt unten so sehr!“ – Scheidenpilz bei Kindern

Bei einem Windel tragenden Baby ist das Risiko für Scheidenpilz groß.
Scheidenpilz wird bei kleinen Kindern durch das Tragen von Windeln begünstigt.

Wer seinen Nachwuchs mit juckenden und brennenden Hautstellen im Genitalbereich zum Kinderarzt bringt, wird wohl über die Diagnose Scheidenpilz sehr erschrecken. Bei Kindern? Oder gar bei meinem Baby? Ja – auch die Kleinen können vom Hefepilz Candida albicans betroffen sein. Wie es dazu kommt, wie er sich äußert und was Eltern gegen den Pilzbefall am besten unternehmen, erfahren Sie hier.

Symptome von Scheidenpilz bei Kindern

Eine genitale Pilzinfektion mit Juckreiz und Schwellungen ist sehr unangenehm – für Erwachsene, aber besonders für Kinder, die vielleicht die Beschwerden noch nicht einordnen können und verängstigt sind. Sollte Ihr Nachwuchs mit folgenden Symptomen zu Ihnen kommen, ist die Wahrscheinlichkeit für Scheidenpilz bei Ihrem Kind sehr hoch und ein Termin beim Kinderarzt ratsam:

  • Rötungen im Genitalbereich, vor allem der Schamlippen
  • entzündete und nässende Hautstellen
  • schuppige Hautreizungen
  • starker Juckreiz
  • Brennen, besonders beim Wasserlassen
  • Schwellung

Hat sich der Pilz bereits bis in die Vagina ausgebreitet, kommt als Anzeichen noch weiß-krümeliger oder gelblicher Ausfluss hinzu. Damit hat Scheidenpilz bei Kindern die gleichen Symptome wie bei einem Erwachsenen.

Kindern fällt es häufig schwer, ihre Beschwerden eindeutig zu benennen. Daher gilt es für Sie als Eltern, Ihr Kind zu beobachten, bei Hinweisen auf eine Pilzinfektion einfühlsam nachzufragen und die genannten Symptome von einem Kinderarzt abklären zu lassen.

Ursachen für Scheidenpilz bei Kindern

Auch wenn Scheidenpilz bei Kindern eher selten ist – er kommt vor und das hat verschiedene Gründe. Kleinkinder haben häufig noch kein sehr ausgeprägtes Gefühl für Hygieneverhalten. So kann es schon einmal sein, dass zum Beispiel die kleinen Hände auf öffentlichen WCs mit Candida albicans in Berührung kommen und dann beim Toilettengang in den Intimbereich gelangen.

Zudem spielt die „Wisch-Technik“ eine Rolle. Hefepilze siedeln sich gerne im Darm an. Wird nun nach dem Stuhlgang mit dem Klopapier von hinten, also vom After aus, Richtung Vagina abgewischt, gelangen ebenfalls Keime in den Genitalbereich.

Hätten Sie es gewusst?

Scheidenpilz kommt – wie der Name schon verrät – überwiegend beim weiblichen Geschlecht vor. Aber kleine Jungs können an ihren Genitalien ebenfalls eine durch den Hefepilz Candida albicans ausgelöste Infektion mit den gleichen Symptomen entwickeln. Im feucht-warmen Milieu des Windelbereiches fühlt sich der Erreger des Scheidenpilzes auch bei männlichen Babys wohl.

Sollte Ihr Kind eine kleine Wasserratte sein, kann es auch häufiger zu Brennen und Juckreiz im Intimbereich kommen. Denn im Schwimmbad, wo es feucht sowie warm ist und viele Menschen aufeinandertreffen, fühlt sich der Scheidenpilz Candida albicans wohl. Das chlorhaltige Wasser trägt dazu bei, die Schleimhäute im Intimbereich zu reizen und das Scheidenmilieu zu belasten.

Später in der Pubertät verändert sich bei Jugendlichen im Körper einiges. Die Hormone, allen voran das stärker produzierte Östrogen, spielen verrückt und in diesem Chaos hat eine Pilzinfektion bei Mädchen leichtes Spiel.

So wie bei Erwachsenen sind bei Kindern Antibiotika mit einer der Hauptgründe für Scheidenpilz im Intimbereich. Denn die Arznei beseitigt nicht nur die schlechten bakteriellen Erreger eines Infekts, gegen den das Medikament verschrieben wurde, sondern tötet ebenso die guten und wichtigen Bakterien der Scheidenflora.

Leidet ihr Nachwuchs an Diabetes mellitus? Scheidenpilz ist bei der Stoffwechselkrankheit keine Seltenheit und führt auch bei Kindern zu den unangenehmen Symptomen wie Juckreiz und Brennen. Der Blutzucker ist bei der Erkrankung erhöht und das fördert Pilzinfektionen, da die Erreger in süßem Milieu besonders gedeihen.

Scheidenpilz bei Kindern behandeln und vorbeugen

Wurde bei Ihrem Nachwuchs vom Arzt ein Candida albicans diagnostiziert, wird er Ihnen eine dem Alter entsprechende Behandlung und ein speziell für Kinder geeignetes Medikament empfehlen. In der Regel kommt zur Therapie von Scheidenpilz bei Kindern wie Erwachsenen eine antimykotische, also pilztötenden Salbe zum Einsatz, manchmal auch in Kombination mit einer Vaginaltablette beziehungsweise einem -zäpfchen. Letztere sollten am besten vor dem Schlafengehen eingeführt werden, damit der Stoff ruhig über Nacht wirken kann. Die Creme oder Salbe ist für die äußerliche Anwendung an den gereizten Genitalien gedacht.

Selbst wenn Ihr Kind meint, es ginge ihm wieder gut und das Jucken und Brennen sei schon verschwunden – brechen Sie die Behandlung nicht ab, sondern führen Sie sie so lange wie vom Arzt, Apotheker oder Beipackzettel empfohlen durch. Wurde die Therapie nicht ordnungsgemäß angewendet beziehungsweise frühzeitig beendet, kann es sein, dass Hefepilze zurückbleiben und bald wieder ausbrechen.

Um Scheidenpilz bei Kindern zu verhindern, ist es am Wichtigsten, Kleinkindern so früh wie möglich die richtige Intimpflege und allgemeine Hygienemaßnahmen beizubringen. Sie sollten zum Beispiel wissen, dass sie sich

  • regelmäßig und ausgiebig die Hände waschen (mindestens vor dem Essen und nach dem Toilettengang),
  • nach dem Stuhlgang von vorne nach hinten abwischen und
  • den Intimbereich im Anschluss an das Duschen oder Baden ordentlich abtrocknen müssen.

Auf diese Weise erziehen Sie Ihr Kind zu mehr Selbstständigkeit in Hinblick auf Hygiene und das trägt wiederum dazu bei, das Risiko für Scheidenpilz zu reduzieren.

Hinweise für Schwangere

Damit Scheidenpilz nicht bei Babys vorkommt, sollten sich werdende Mütter regelmäßig von ihrem Gynäkologen auf Candida albicans untersuchen und bei diagnostiziertem Vaginalpilz – trotz vielleicht ausbleibender Symptome – behandeln lassen.

Bei der Geburt kann nämlich der Hefepilz auf das Neugeborene übertragen werden und in Form von Mund- und Windelsoor ausbrechen. Der Grund: Das Immunsystem von Babys ist noch sehr anfällig. Das feuchte Klima unter den Windeln begünstigt außerdem die Verbreitung des Pilzes. Deswegen gilt es, diesen Bereich möglichst trocken zu halten und bei bestehender Infektion den Befall mit entsprechenden Salben zu behandeln. Sollten Sie sich unsicher sein, was die Anwendung von Medikamenten gegen Scheidenpilz bei Babys anbelangt, so halten Sie gerne mit Ihrem Kinderarzt oder Apotheker Ihres Vertrauens Rücksprache.