Xipamid Wechselwirkungen

Die folgenden Wechselwirkungen sind für Thiazide und thiazidartige Entwässerungsmittel (Diuretika) und damit verwandte Arzneistoffe berichtet worden und können daher auch für Xipamid relevant sein.

Von der Kombinationen mit Lithium, das gegen Depressionen eingesetzt wird, wird abgeraten. Bei gleichzeitiger Lithiumtherapie wird die schädigende Wirkung auf Nerven und Herz des Lithiums verstärkt. Ist die Entwässerungstherapie dennoch unumgänglich, sind eine sorgfältige Überwachung und gegebenenfalls eine Lithium-Dosisanpassung durch den Arzt erforderlich.

Besondere ärztliche Vorsichtsmaßnahmen aufgrund von möglichen schweren Herzrhythmusstörungen sind bei gleichzeitiger Gabe von Xipamid und einigen anderen Wirkstoffen erforderlich. Dazu gehören:Xipamid erhöht aufgrund der gesteigerten Kaliumausscheidung die Wirkungen und Nebenwirkungen der genannten Substanzen. Es besteht ein erhöhtes Risiko von Herzrhythmusstörungen (von der Herzkammer ausgehend, insbesondere Torsade de pointes) können dadurch ausgelöst werden. Bevor mit dieser Kombination begonnen wird, muss der Arzt eine Blutkaliumkontrolle durchführen und eine niedrige Kaliumkonzentration im Blut korrigieren. Der Arzt sollte außerdem regelmäßige Kontrollen der Konzentrationen von Elektrolyten (insbesondere Kalium, Natrium, Kalzium) durchführen und zusätzlich eine EKG-Überwachung. Er sollte bevorzugt Substanzen verwenden, die bei gleichzeitig vorhandenem Blutkaliummangel keine möglicherweise tödlich verlaufende Torsade de pointes hervorrufen.

Auch bei folgenden Substanzen können bei gleichzeitiger Gabe mit Xipamid gefährliche Wechselwirkungen auftreten:
  • nicht-steroidale Antirheumatika (beispielsweise Indometacin und Acetylsalicylsäure), selektive Cox-2-Hemmer (wie Rofecoxib, Celecoxib, Etoricoxib, Parecoxib und Valdecoxib) und hochdosierte Salicylate (über 3 Gramm pro Tag) können die blutdrucksenkende und ausschwemmende Wirkung von Xipamid vermindern. Es besteht das Risiko eines akuten Nierenversagens bei Austrocknung. Die Nierenfunktion ist daher bei Therapiebeginn ärztlich zu kontrollieren und der Patient muss für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen. Bei hochdosierter Salicylateinnahme kann die giftige Wirkung des Salicylates auf das Zentrale Nervensystem verstärkt werden.
  • ACE-Hemmer. Insbesondere bei Patienten mit bereits bestehendem Natriummangel (vor allem bei Nierenarterienverengung) ist das Risiko eines starken Blutdruckabfalls und/ oder eines akuten Nierenversagens bei einer zusätzlichen Therapie mit einem ACE-Hemmer erhöht. Wenn bei Bluthochdruck eine vorangegangene Diuretikatherapie möglicherweise zu einer Natriumverarmung geführt hat, ist es notwendig entweder das Entwässerungsmittel drei Tage vor Beginn der ACE-Hemmer-Therapie abzusetzen und dann gegebenenfalls zusätzlich ein kaliumausschwemmendes Entwässerungsmittel anzuwenden; oder die ACE-Hemmer-Therapie mit niedriger Dosis zu beginnen und dann allmählich zu steigern. Bei Herzmuskelschwäche sollte der Arzt mit einer sehr niedrigen ACE-Hemmer-Dosis beginnen, möglichst nachdem er die Dosierung des gleichzeitig verabreichten kaliumausschwemmenden Entwässerungsmittels vermindert hat. Auf jeden Fall ist die Nierenfunktion (Bestimmung des Blutkreatinins) in den ersten Wochen einer ACE-Hemmer-Therapie ärztlich zu kontrollieren.
  • zusammen mit anderen Kalium-ausschwemmenden Entwässerungsmitteln (beispielsweise Furosemid), in die Venen gegebenem Amphotericin B (Mittel gegen Pilzerkrankungen, Nebennierenrindenhormonen (Glukokortikoide und Mineralokortikoide), Tetracosactid (identisch mit der Wirkung des körpereigenen Hypophysenvorderlappenhormon ACTH) oder darmanregenden Abführmitteln eingenommen, kann es zu verstärkten Kaliumverlusten kommen. Eine ärztliche Kontrolle und gegebenenfalls eine Korrektur des Kaliumblutspiegels sind erforderlich. Dies ist vor allem bei gleichzeitiger Therapie mit den herzmuskelstärkenden Herzglykosiden zu beachten. Entsprechende häufige ärztliche Kontrollen sind daher erforderlich.
  • die blutdrucksenkende Wirkung von Xipamid wird durch andere Entwässerungsmittel, andere blutdrucksenkende Mittel (Antihypertonika), Betablocker, gefäßerweiternde Mittel (Vasodilatatoren und insbesondere Nitrate), Psychopharmaka wie Barbiturate, Neuroleptika (Nervendämpfungsmittel) der Phenothiazin-Gruppe und trizyklische Antidepressiva sowie Alkohol verstärkt.
  • mit dem Muskelentspannungsmittel Baclofen kommt es zu einer Verstärkung der blutdrucksenkenden Wirkung. Der Patient muss für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen, der Arzt sollte die Nierenfunktion zu Therapiebeginn kontrollieren.
  • Xipamid erhöht aufgrund der gesteigerten Kaliumausscheidung die Wirkungen und Nebenwirkungen von Digoxin und anderen Herzglykosiden, die zur Steigerung der Herzkraft gegeben werden. Eine ärztliche Kontrolle des Kaliumblutspiegels und eine EKG-Überwachung sowie gegebenenfalls eine Anpassung der Therapie sind erforderlich.
  • Bei folgenden Kombinationen sind ferner Wechselwirkungen möglich:
    • Kaliumsparende Diuretika (wie Amilorid, Spironolacton, Triamteren). Auch wenn diese Kombination bei bestimmten Patienten sinnvoll ist, kann es zu Blutkaliummangel oder zu Blutkaliumerhöhungen (insbesondere bei Patienten mit Nierenfunktionsschwäche oder Diabetes mellitus) kommen. Eine ärztliche Kontrolle der Blutkaliumkonzentration und des EKG's sind erforderlich, eventuell auch eine Anpassung der Therapie.
    • Kaliumausscheidung fördernde Diuretika (wie Furosemid), ACTH (Hypophysenvorderlappenhormon), Carbenoxolon (gedächtnisverbessernd), Penicillin G (antibiotische Wirkung), Amphotericin (pilzwachstumshemmend). Die gleichzeitige Anwendung mit Xipamid kann zu verstärkten Kaliumverlusten führen.
    • Insbesondere bei gleichzeitiger Anwendung von Xipamid und Schleifendiuretika ist das Risiko von Störungen des Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushaltes erhöht. Entsprechende engmaschige Kontrollen sind daher erforderlich.

  • zusammen mit Metformin, das bei nicht Insulin-abhängiger Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus vom Typ 2) und insbesondere bei Übergewicht und Fettsucht eingesetzt wird, kommt es zu einem Überschuss an Laktat, dem Salz der Milchsäure. Daraus resultieren kann eine lebensgefährliche Stoffwechselentgleisung, die Laktatazidose, die ohne Behandlung tödlich enden kann. Ein erhöhtes Risiko für diese Komplikation haben Patienten mit Nierenfunktionsstörungen. Metformin ist daher nicht anzuwenden, wenn das Blutkreatinin 15 Milligramm pro Liter (135 µmol) bei Männern beziehungsweise 12 Milligramm pro Liter (110 µmol/l) bei Frauen übersteigt.
  • zusammen mit Jod-haltigen Kontrastmitteln (insbesondere bei hohen Dosen) besteht ein erhöhtes Risiko von akutem Nierenversagen bei Wasserverlust.
  • zusammen mit trizyklischen Antidepressiva vom Imipramin-Typ und anderen Neuroleptika kommt es zu einer verstärkten Blutdrucksenkung und einem erhöhten Risiko eines Blutdruckabfalls bei Lageveränderung.
  • Kalzium(salze). Bei gleichzeitiger Gabe besteht das Risiko eines Blutkalziumüberschusses durch eine verminderte Kalziumausscheidung über die Niere mit dem Urin.
  • bestimmte Mittel die das körpereigene Abwehrsystem unterdrücken, wie Ciclosporin und Tacrolimus, erhöhen auch bei normalem Wasser- und Natriumhaushalt den Kreatininspiegel im Blut.
  • Kortisonpräparate und Tetracosactid (identisch mit dem körpereigenen ACTH). Bei gleichzeitiger Gabe mit Xipamid kommt es zu einer Verminderung der blutdrucksenkenden Wirkung aufgrund der Wasser- und Natriumrückhaltung im Körper durch Kortikoide.
  • Zytostatika (in der Krebstherapie eingesetzt) wie Cyclophosphamid, Fluorouracil oder Methotrexat erhöhen bei gleichzeitiger Gabe ihre schädigende Wirkung auf das Knochenmark. In der Folge kann ein Granulozyten-Mangel, die Verringerung einer Untergruppe der weißen Blutzellen (Granulozytopenie), auftreten.
  • die Wirkung von Mitteln gegen Zuckerkrankheit wie Insulin oder orale Antidiabetika, harnsäuresenkenden Arzneimitteln sowie Nebennierenmarkhormonen (Noradrenalin und Adrenalin) kann bei gleichzeitiger Anwendung von Xipamid abgeschwächt werden.
  • die Wirkung curareartiger Muskelrelaxanzien und dem Herzrhythmus-regulierenden Wirkstoff Chinidin kann durch Xipamid verstärkt oder verlängert werden.
  • die gleichzeitige Anwendung von Blutfettsenkern wie Cholestyramin oder Colestipol vermindert die Aufnahme von Xipamid in den Körper, dadurch verringert sich auch die ausschwemmende Wirkung.