Lokalantibiotika und -kombinationen Wirkungsweise

Viele Antibiotika wirken sowohl lokal begrenzt als auch allgemein im Körper. Vielfach kommt es einfach nur darauf an, in welcher Arzneiform sie verarbeitet sind. So können natürlich alle Antibiotika, die in Arzneiformen zur örtlichen Anwendung (wie Salben, Cremes, Augentropfen, Gurgellösungen und Lutschtabletten) eingearbeitet werden, als Lokalantibiotika bezeichnet werden.

Lokalantibiotika im engeren Sinne, wie sie in dieser Wirkstoffgruppe zusammengefasst sind, werden allerdings ausschließlich lokal auf der Haut oder Schleimhaut eingesetzt. Für eine systemische Anwendung im gesamten Organismus haben sie zu viele und zu starke Nebenwirkungen.

Je nach ihrer chemischen Struktur können Lokalantibiotika das Bakterienwachstum hemmen (bakteriostatische Wirkung) oder die Bakterien abtöten (bakterizide Wirkung). Lokalantibiotika nutzen verschiedene Mechanismen, um die Bakterien zu bekämpfen:
  • So können Lokalantibiotika wie zum Beispiel Bacitracin, Colistin und Polymyxin B den Aufbau innerer und äußerer Zellwände der Bakterien stören oder hemmen. Die Erreger oder ihre Zellkerne platzen auf, was teilweise zum Absterben führt.
  • Andere Lokalantibiotika wie Nitrofural stören den Neuaufbau der Erbsubstanz (DNA), was für die Teilung der Bakterien unverzichtbar ist. So können sich die Bakterien nicht mehr vermehren.
  • Wieder andere Lokalantibiotika greifen in den Aufbau von Stoffwechselprodukten der Bakterien ein. So fehlen den Keimen wichtige Substanzen, die sie zum Leben und der Vermehrung benötigen. Tyrothricin, Mupirocin, Neomycin, Fusidinsäure und Chloramphenicol hemmen zum Beispiel den Eiweißaufbau.

Nachteilig an einer Behandlung mit Lokalantibiotika ist, dass diese meist nur gegen wenige Keime wirken (ein so genanntes enges Wirkungsspektrum besitzen) und sie überwiegend nicht abtöten können. Außerdem bergen sie das Risiko einer Resistenzentwicklung. Wenn Bakterien aber resistent werden, so wirkt das Antibiotikum nicht mehr. Daher gibt man oft verschiedene Lokalantibiotika zusammen, um bakterielle Erreger einer Infektion möglichst sicher zu bekämpfen. Aus dem gleichen Grund werden Lokalantibiotika häufig mit keimabtötenden Substanzen aus der Gruppe der antiseptischen Mittel kombiniert. Diese unterstützen dann die Antibiotika bei der Bekämpfung der Erreger.

Lokalantibiotika werden überhaupt oft mit anderen Wirkstoffen zusammen zu Medikamenten verarbeitet. So setzt man örtlich betäubende Mittel (Lokalanästhetika) zu, die für die Linderung der Schmerzen sorgen. Oder die Lokalantibiotika werden zusammen mit Glukokortikoiden gegeben, die eventuell vorhandene Entzündungssymptome lindern können.