Botulinumtoxin Typ A Gegenanzeigen

Botulinumtoxin Typ A darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff und ähnliche Stoffe, auf die der Patient überempfindlich reagiert.

Verboten ist auch die Anwendung von Botulinumtoxin Typ A bei Infektionen an den vorgesehenen Injektionsstellen.

Besondere ärztliche Vorsicht und Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses einer Behandlung mit Botulinumtoxin Typ A ist nötig bei
  • entzündlichen Veränderungen an der vorgesehenen Injektionsstelle
  • ausgeprägter Schwäche oder Rückbildung des für die Injektion ausgewählten Muskels
  • Injektionen in der Nähe von leicht verletzlichen Organen und Geweben
  • Patienten mit zugrundeliegenden Nervenerkrankungen einschließlich Schluckbeschwerden, da diese ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, wie Schluckstörungen, Lungenentzündung und allgemeine Schwächezustände haben. Das Botulinumtoxin-haltige Präparat darf bei diesen Patienten nur unter fachärztlicher Überwachung und nur dann angewendet werden, wenn davon auszugehen ist, dass der Nutzen der Behandlung das Risiko überwiegt.
  • Patienten, die schon früher schmerzhafte Störungen beim Schlucken und Probleme im Zusammenhang mit Fremdstoffeinatmung (Aspiration) hatten
  • häufigeren Injektionen des Wirkstoffs oder höheren Dosen, da der Körper dagegen Antikörper bilden kann, was die Wirkung beeinträchtigt
  • Patienten mit Erkrankungen der Nerven und Muskeln (beispielsweise bei amyotropher Lateralsklerose (ALS) oder motorischer Neuropathie), weil der Wirkstoff die Erkrankung und deren Symptome verschlimmern kann
  • nachgewiesener gestörter Reizweiterleitung von Nerven an die Muskeln (mit oder ohne Vorhandensein von Beschwerden) wie beispielsweise bei Myasthenia gravis oder Eaton-Lambert-Syndrom angewendet werden, da diese Patienten eine erhöhte Sensibilität für einen solchen Wirkstoff besitzen und es somit zu einer ausgeprägten Muskelschwäche mit Schluckstörungen und Atemnot kommen kann
  • Injektion in Muskeln rund um das Auge (gegen Lidkrämpfe), weil das verringerte Blinzeln zu Erkrankungen der Hornhaut führen kann. Dies gilt besonders für Augen, an denen bereits ein chirurgischer Eingriff statt gefunden hat, in diesem Fall muss die Sensibilität der Hornhaut überprüft werden. Zur Vermeidung einer Auswärtsstellung des Lides sollte der Einstich in das Unterlid vermieden werden. Eventuell auftretende Störungen sind sofort zu behandeln. Hierfür kann die Verwendung von Schutztropfen, Salben, weichen Verbandkontaktlinsen oder Verschließen des Auges mittels Augenklappe oder ähnlichem erforderlich sein.
  • Patienten, für die das Risiko eines Engwinkelglaukoms (Sonderform des Grünen Stars) besteht, weil dieses vom Wirkstoff erhöht werden kann
  • Schiefhals (zervikale Dystonie, Tortikollis), weil es zu einer milden bis schweren Schluckstörung kommen kann. Diese kann zwei bis drei Wochen oder auch länger nach der Injektion andauern und macht manchmal eine künstliche Ernährung nötig. Besonders gefährdet sind Patienten mit geringerer Masse der Halsmuskeln oder solche, die beidseitig Injektionen in den Halsmuskel erhalten.
Hinweise:
Es wurden selten schwerwiegende und/oder sofortige Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich schweren allergischen Sofortreaktionen, Serumkrankheit, Nesselsucht, Weichteilschwellungen durch Flüssigkeitseinlagerung oder Atemnot beobachtet. Ein Teil dieser nicht erwünschten Reaktionen traten auf, wenn Botulinumtoxin Typ A allein oder auch gleichzeitig mit anderen Wirkstoffen, von denen ähnliche Reaktionen bekannt sind, eingesetzt wurde. Treten oben genannte Überempfindlichkeitsreaktionen auf, darf Botulinumtoxin Typ A nicht mehr injiziert werden. Die Überempfindlichkeitreaktion ist vom Arzt mit geeigneten Wirkstoffen wie beispielsweise Epinephrin zu behandeln.

Bevor der Arzt Botulinumtoxin Typ A anwendet, muss er sich mit dem Körper des Patienten sowie aufgrund chirurgischer Eingriffe entstandenen körperlichen Veränderungen vertraut machen. Die empfohlenen Dosierungen und Häufigkeiten der Dosierung von Botulinumtoxin Typ A dürfen nicht überschritten werden.

Bei Krämpfen, die durch Hirnschäden und/oder Schlaganfall hervorgerufen sind, ist Botulinumtoxin Typ A nur in Verbindung mit den üblichen Standard-Behandlungsmethoden anzuwenden. Der Wirkstoff ist nicht als Ersatz für diese gedacht.

Bislang bewegungsarme Patienten sollten darauf hingewiesen werden, körperliche Aktivitäten langsam und vorsichtig wieder zu beginnen.

Bei Anwendung am Auge können in den weichen Augenlidgeweben kleinflächige Hautblutungen auftreten, die durch sanfte Druckbehandlung an der Einstichstelle direkt nach der Injektion gering gehalten werden können.

Tastbare wellenförmige Flüssigkeitsbewegungen in Körperhöhlen kommen wahrscheinlich von verschiedenen Vorgehensweisen beim Einspritzen, den Einspritzintervallen, den Muskeln, in welche gespritzt wird oder auch von einer gerinfügig variierenden Aktivität des Wirkstoffes.

Durch schmerzhafte Schluckstörungen kann es zu einer geringeren Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit kommen, die einen Gewichtsverlust und Austrocknen des Körpers verursacht. Bei Patienten ohne oder mit nur leichten Symptomen einer Schluckstörung, besteht nach der Behandlung ein erhöhtes Risiko zur Verschlimmerung dieser Störung.

Bei übermäßigem Achselschweiß muss der Arzt zunächst mögliche Ursachen anderer Erkrankungen, wie Schilddrüsenüberfunktion oder einem Phäochromozytom (Nebennierenmark-Tumor) ausschließen. Dadurch soll eine Behandlung der Schweißüberproduktion ohne Feststellung und/oder Behandlung der Grunderkrankung vermieden werden.

Botulinumtoxin Typ A bei Schwangerschaft & Stillzeit

Es gibt keine ausreichenden Studien zur Anwendung von Botulinumtoxin Typ A während der Schwangerschaft. In Tierversuchen hatte der Wirkstoff schädliche Auswirkungen auf die Ungeborenen. Das mögliche Risiko für den Menschen ist nicht bekannt, daher darf Botulinumtoxin Typ A in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn es der Arzt für unbedingt nötig hält. Gleiches gilt für die Stillzeit, da es nicht bekannt ist, ob Botulinumtoxin Typ A in die Muttermilch übergeht.

Botulinumtoxin Typ A und Kinder

Der Wirkstoff ist in entsprechender Dosierung auch zur Behandlung von Kindern mit gehirnbedingten Lähmungen zugelassen. Allerdings wurden für das Alter unter zwölf Jahren keine Studien zu Wirksamkeit und Sicherheit gemacht.

Sicherheit und Wirksamkeit von Botulinumtoxin Typ A bei der Behandlung von übermäßigem Achselschweiß ohne körperliche Ursache wurden nicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren untersucht.