Agomelatin Wirkung

Agomelatin gehört zur Gruppe der Antidepressiva und wirkt stimmungsaufhellend. Es ist von der Molekülstruktur dem körpereigenen Hormon Melatonin sehr ähnlich, im körpereigenen Stoffwechsel aber stabiler als Melatonin.

Agomelatin bindet an Melatonin-Rezeptoren im Hypothalamus, dem Sitz der Inneren Uhr. Diese Rezeptoren (so genannte Andockstellen) sind verantwortlich für die Funktion von Melatonin in der Regulation des Tag-Nacht-Rhythmus. Dieser Rhythmus ist bei depressiven Erkrankungen häufig gestört, die Patienten leiden oft an Schlafstörungen. Agomelatin führt zu einer Verkürzung der Einschlafzeit und der Zeit bis zum Herzfrequenzabfall während des Einschlafens. Bereits ab der ersten Behandlungswoche verbesserte sich in Untersuchungen die Schlafqualität der Patienten erheblich. Vorteilhaft ist weiterhin, dass die Patienten nach einer erholsameren Nacht keine Tagesmüdigkeit verspürten und so den Tag aktiver gestalten konnten.

Agomelatin wirkt gleichzeitig auch als Gegenspieler (Antagonist) an den Rezeptoren für Serotonin. So kommt es zu einer erhöhten Ausschüttung der Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin im Gehirn. Diese beiden Botenstoffe werden im gesunden Organismus vermehrt in Stresssituationen freigesetzt. Sie bewirken, dass Körper und Geist aufmerksamer und reaktionsfreudiger sind und wir auch unter Stressbedingungen handlungsfähig bleiben, um gezielt und schnell auf eventuelle Gefahr reagieren zu können. Bei depressiven Patienten schüttet der Körper diese beiden Hormone nur in geringer Menge aus, die Betroffenen sind untätig und werden immer handlungsunfähiger. Wird durch Agomelatin die Ausschüttung von Dopamin und Noradrenalin angeregt, kommt es wieder zu einer verbesserten Leistung, angeregteren Stimmung und erhöhten körperlichen Aktivität.

In den wissenschaftlichen Studien wurde Agomelatin von den meisten Patienten gut vertragen. Typische Nebenwirkungen anderer Antidepressiva wie Verlust der Libido, Erektionsstörungen und Gewichtszunahme waren bei der Einnahme von Agomelatin seltener als bei den Vergleichswirkstoffen. Außerdem hat es keinen ausgeprägten Einfluss auf Herzfrequenz und Blutdruck.

Desweiteren geht von Agomelatin kein Missbrauchspotential aus. Bei gesunden Personen verändert der Wirkstoff weder die Aufmerksamkeit noch das Gedächtnis.