Erfahrungsbericht Teil 2: Umstellung des Lebens
Bereits in den ersten Tagen hatten wir in der Reha so viele Termine und Seminare, dass es mir fast zu viel war. Doch ich wollte lernen, erstmals meine neue Situation und meine Krankheit zu akzeptieren. Ich lernte, dass ich eine Lebensbilanz ziehen muss und mein „zweites Leben“ neu planen muss.
Es wurde mir bewusst, dass ich mir die letzte Zeit privat und auch beruflich zu viel vorgenommen hatte, was ich nicht bewältigen konnte, und mich permanent selbst unter Druck gesetzt hatte. In der Reha lernte ich, darüber mit meiner Frau und mittlerweile auch mit meinen Arbeitskollegen zu sprechen. Ich habe begriffen, dass mein Herzinfarkt kein Schicksalsschlag war, sondern dass ich meinen Anteil zu der Erkrankung beigetragen hatte.
Ich habe gelernt, welche Risikofaktoren bei mir vorliegen. Am schwersten fiel mir, das Rauchen aufzugeben, wobei ich immer wieder rückfällig werde. Deswegen nehme ich zur Zeit an einem Raucherentwöhnungskurs teil, der von meiner Krankenkasse bezahlt wird. Gleichzeitig unterstützt mich mein Hausarzt mit Akupunktur. Ich hoffe, dass ich dieses Laster noch in den Griff bekomme. Ich weiß, ich tue es für mich und meine Familie.
Auch die Ernährung ist bei uns zu Hause viel bewusster geworden, obwohl ich dachte, wir würden uns schon gesund genug ernähren. Meine Frau hat auch an den Ernährungsseminaren teilgenommen, weil auch sie mit hohem Blutdruck zu tun hat. Mit meinem Hausarzt habe ich einen regelmäßigen Check vereinbart. Ich schreibe jetzt immer meine Werte auf, und bin sehr zufrieden über meine gesunkenen Cholesterinwerte, über die ich mir bis dahin nie Gedanken gemacht habe.
Die Arbeit konnte ich nach drei Monaten wieder aufnehmen. Ich gehe wieder mit Freude und ohne Beschwerden an die Arbeit, das hätte ich damals nicht gedacht. Ich habe gelernt, meine Kraftreserven einzuteilen und weder meinen Kunden noch meinem Chef Dinge zu versprechen, die ich nicht bewältigen kann. Ich kann jetzt auch ohne Ängste wieder Sport machen. Wir gehen mindestens dreimal die Woche Radfahren oder auch Schwimmen.
Das Nitrospray, das ich immer bei mir habe, habe ich bislang nicht gebraucht. Ich muss sagen, dass mir die Reha geholfen hat, aus dem tiefen Loch zu kommen, in das ich mit meinem plötzlichen Infarkt aus heiterem Himmel gefallen war. Ich kann das nur jedem empfehlen, der nach einem solchen Schlag nicht aufgeben will.“