Potenzsteigernde Mittel: Behandlung bei Erektionsstörungen

Arzt hält eine Auswahl potenzsteigernder Mittel in den Händen.

In den letzten Jahren haben die Möglichkeiten zur Behandlung der Erektilen Dysfunktion deutlich zugenommen. Eine weit verbreite Option sind potenzsteigernde Mittel in Form von Medikamenten. Kommen solche infrage, stellt sich die Frage: Welche Mittel gegen Erektionsstörung gibt es? Und wie wirken sie?

Erektile Dysfunktion: Kurze Erklärung vorweg

Vorübergehende Erektionsstörung ist nicht gleich Erektile Dysfunktion! Bei den meisten Männern kommt es mindestens einmal im Leben vor, dass die Erektion des Penis nicht ausreichend ist oder beibehalten werden kann – aber das ist noch lange kein Grund zu Sorge. Erst, wenn die Sexualstörung über einen längeren Zeitraum hinweg anhält, spricht man von einer Erektilen Dysfunktion. Die Ursachen einer solchen sind sehr verschieden, sie können sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sein oder negativen Lebensgewohnheiten wie dem Konsum von Alkohol geschuldet sein.

So verschieden die Auslöser der Erektionsstörung sind, so unterschiedlich sind auch die Behandlungsmethoden. In vielen Fällen können aber potenzsteigernde Mittel die Beschwerden lindern. Dabei steht Männern mit Erektionsstörungen eine breite Auswahl an Medikamenten zur Verfügung.

PDE-5-Hemmer als potenzsteigerndes Mittel

Auf dem freien Markt kursieren viele Medikamente, die bei Erektionsstörungen potenzsteigernd wirken sollen. In Deutschland zugelassen und wissenschaftlich belegt sind allerdings nur wenige. Eine solche Wirkstoffgruppe sind Phosphodiesterase-5-Hemmer, auch PDE-5-Hemmer genannt. Diese sind mittlerweile die am häufigsten eingesetzten Mittel gegen Erektionsstörungen und wirken peripher auf die glatte Muskulatur des Penis. Das heißt, sie lassen die Muskelzellen in den Schwellkörpern entspannen, um eine bessere Blutzufuhr zu ermöglichen und so eine Erektion auszulösen beziehungsweise länger aufrecht zu erhalten.

Übrigens: Eine Steigerung der Libido kann mit PDE-5-Hemmern nicht erreicht werden.
 
Zu der Wirkstoffgruppe der PDE-5-Hemmer zählen:
  • Sildenafil
  • Tadalafil
  • Vardenafil

Alle drei Wirkstoffe werden in Tablettenform verabreicht.

Die potenzsteigernden Mittel sollten beim Vorliegen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder entsprechenden Risikofaktoren mit Vorsicht betrachtet werden. Zwar kam eine Expertenkommission[1] zu dem Ergebnis, dass beispielsweise Patienten mit kontrolliertem Bluthochdruck oder stabiler Angina pectoris durchaus PDE-5-Hemmern einnehmen dürfen. Die Betroffenen sollten allerdings darüber aufgeklärt werden, dass während und zwei Stunden nach dem Geschlechtsverehr ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Vorfälle besteht. PDE-5-Hemmer dürfen zudem nicht in Verbindung mit Nitraten, zum Beispiel Nicorandil, eingenommen werden, da es unter anderem zu lebensgefährlichen Kreislaufkrisen kommen kann.

Apomorphin: Seltene Anwendung bei Erektionsstörungen

Der Wirkstoff Apomorphin ist ein Abkömmling des Morphins und zählt zu der Gruppe der Dopamin-Rezeptor-Agonisten. Apomorphin wirkt ähnlich wie der körpereigene Botenstoff Dopamin, im Volksmund auch als Glückshormon bekannt. Im Gegensatz zu den PDE-5-Hemmern entfaltet das potenzsteigernde Mittel seine Wirkung zentral: Apomorphin bindet im Gehirn, genauer gesagt im Hypothalamus, an die Dopamin-Rezeptoren und stimuliert diese. In der Folge kommt es zur Entspannung der glatten Muskulatur im Schwellkörper, die Blutzufuhr verbessert sich und eine Erektion baut sich auf.

Apomorphin ist in sublingualer Darreichungsform verfügbar, sprich, der Wirkstoff wird über die Mundschleimhaut verabreicht. Sublingual-Tabletten lässt man unter der Zunge zergehen, es wird kein Wasser benötigt. Die Tabletten lösen sich im Mundraum auf und geben die Wirkstoffe direkt über die Schleimhaut an den Blutkreislauf ab. Auf diese Weise ist ein Wirkeintritt nach etwa 20 Minuten möglich.

Als Mittel gegen Erektionsstörungen bei Männern wird Apomorphin eher selten eingesetzt. Der Einsatz beschränkt sich heutzutage weitgehend auf leichte organische oder psychogen-bedingte Störungen.

Weitere Mittel gegen Erektionsstörungen

Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Erektionsstörungen – Beschwerden, die bei Männern ab 40 Jahren altersbedingt auftreten können. Eine mögliche Ursache dieser Symptom-Konstellation ist ein Mangel des männlichen Sexualhormons Testosteron. Dieses ist im Penis, vorwiegend in den Schwellkörpern, unter anderem für die Funktion und den Aufbau der glatten Muskelzellen und das darin befindliche Enzymsystem verantwortlich. In den Schwellkörpern sorgt das Hormon für eine Steigerung der Blutzufuhr und letztlich eine Ausdehnung und Vergrößerung des Penis.

Bei nachgewiesenem dauerhaftem Testosteron-Mangel kann das Hormon dem Körper künstlich – in Form von Injektionen, Gels, Pflastern oder Tabletten – zugeführt werden. Allerdings ist eine Testosteron-Behandlung mit möglichen Nebenwirkungen verbunden: Beispielsweise kann es das Wachstum eines Prostata-Krebses beschleunigen, weswegen das Hormon nur dann eingenommen werden darf, wenn vorher sichergestellt wurden, dass die Prostata gesund ist.

 

In der Behandlung der Erektilen Dysfunktion wird Yohimbin mit am längsten eingesetzt. Yohimbin wird aus der Rinde eines westafrikanischen Baums gewonnen und gilt in seiner Heimat als Aphrodisiakum. In seiner Wirkweise wird Yohimbin – gegenüber PDE-5-Hemmern – allerdings schwächer eingestuft, zudem ist der genaue Wirkungsmechanismus von Yohimbin bis heute noch vollständig ungeklärt.

Yohimbin hat bei der Behandlung von Erektionsstörungen in den letzten Jahren durch die Einführung der PDE-5-Hemmer an Stellenwert verloren. Heute wird das Medikament bevorzugt bei leichten organischen und psychischen Störungen der Erektionsfähigkeit eingesetzt. Bei richtiger Dosierung kann es lediglich zu milden Nebenwirkungen kommen, zum Beispiel Unruhe, Händezittern, verstopfter Nase und Schlafstörungen. Je nach Patient kann das Mittel den Blutdruck erhöhen oder senken.

Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) und MUSE: Selbsthilfe bei Erektiler Dysfunktion

Eine weitere Alternative potenzsteigernder Mittel sind lokal angewandte Prostaglandine, die ein Erschlaffen der Muskelzellen im Penis bewirken. Die Blutgefäße können sich erweitern, woraufhin das Blut in den Schwellkörper fließen kann und eine Erektion ermöglicht. Allerdings müssen Prostaglandine injiziert oder in die Harnröhre eingebracht werden.

  • Die Injektion ist vor allem als SKAT-Methode (Schwellkörper-Autoinjektionstherapie) verbreitet, bei der sich Mann das Erektionsmittel unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr in die Schwellkörper des Penis injiziert. Die verwendete Nadel ist recht dünn, weshalb die Methode als nahezu schmerzfrei gilt.
  • MUSE (Medikamentöses Urethrales System zur Erektion) ist die Verabreichung des Wirkstoffs mittels Harnröhren-Stäbchen. Über ein mechanisches Gerät (Applikator) werden die Prostagladine in die Harnröhre eingeführt, lösen sich auf und werden über die Schleimhaut aufgenommen. Die Folge: Erschlaffung der Muskelzellen, Erweiterung der Blutgefäße, verbessertes Einströmen des Blutes in den Schwellkörper und letztlich Erektion.

Die SKAT-Methode gilt gegenüber MUSE als die effektivere Methode. Die Anwendung an sich ist recht simpel und für die meisten Männer nicht schmerzhaft. Lediglich die Dosierung sollte korrekt sein, da es ansonsten zu einer länger anhaltenden Erektion kommen kann, die den Penis möglicherweise schädigt. Außerdem kann das Vorliegen bestimmter Krankheiten, beispielsweise Leukämie, gegen die Methode sprechen. Ob die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie im Einzelfall geeignet ist, sollte vorab mit einem Arzt geklärt werden.