Zähne weg dank Rauchen

Raucher sind ihre Zähne früher los als Nichtraucher - und zwar schon in jungen Jahren. Wer mit dem Qualmen aufhört, kann die Beißer retten.
Von Ingrid Müller

Rauchen ist gefährlich für die Gesundheit, ohne Frage. Raucher haben nicht nur ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs und andere Krankheiten, sondern verlieren auch ihre Zähne früher – nämlich schon in jungen Jahren. Zu diesem Ergebnis kam eine Langzeitstudie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE). Die gute Nachricht: Wer mit dem Rauchen aufhört, senkt das Risiko des Zahnverlustes innerhalb kurzer Zeit auf das Niveau einer Person, die nie geraucht hat. „Letzteres kann allerdings über zehn Jahre dauern“, sagt Thomas Dietrich von der Universität Birmingham, UK, der Erstautor der Studie.

Rauchen setzt den Zähnen zu

In der Potsdamer EPIC-Studie untersuchte das Wissenschaftlerteam um Heiner Boeing vom DIfE die Daten von 23.376 männlichen und weiblichen Studienteilnehmern. Die Studie ist die erste große deutsche, prospektive Langzeitbeobachtungsstudie, die den Zusammenhang zwischen Rauchen, Raucherentwöhnung und Zahnausfall in drei verschiedenen Altersgruppen untersucht hat. Gruppe eins war unter 50 Jahre alt,  Gruppe zwei umfasste Personen im Alter zwischen 50 und 59 Jahren und in Gruppe waren Probanden zwischen 60 und 70 Jahren.

Weibliche und männliche Raucher hatten ein bis zu 2,5- bzw. 3,6-fach erhöhtes Risiko, ihre Zähne vorzeitig zu verlieren als Studienteilnehmern, die nie geraucht hatten. Dies galt unabhängig von anderen Risikofaktoren wie zum Beispiel Diabetes. Der Effekt des Rauchens auf die Zähne war bei jüngeren Personen stärker ausgeprägt als bei älteren. Zudem hing das Risiko, seine Zähne zu verlieren, von der Menge der gerauchten Zigaretten ab. Starke Raucher, die mehr als 15 Zigaretten pro Tag konsumierten, hatten ein höheres Risiko, als Gimmstängel-Liebhaber, die weniger rauchten.

Raucher haben häufiger Parodontitis

„Man verliert seine Zähne hauptsächlich als Folge von Karies oder Parodontitis. Wir wissen zudem, dass Rauchen einer der Hauptrisikofaktoren für Parodontitis ist“, erklärt Co-Autor Kolade Oluwagbemigun. Der beobachtete Zusammenhang zwischen Rauchen und Zahnverlust sei in erster Linie durch ein erhöhtes Auftreten der Parodontitis bei Rauchern zu erklären. Zahnfleischentzündungen bei Rauchern seien ein erstes Warnsignal, dass die Gesundheit durch den Tabakkonsum bereits stark geschädigt sei.

Allerdings maskiert das Rauchen das Zahnfleischbluten – eines der wenigen Symptome einer Parodontitis. Hierdurch kann das Zahnfleisch bei Rauchern gesünder erscheinen, als es tatsächlich ist. „Dies sollten Raucher, aber auch Zahnärzte berücksichtigen“, ergänzt Dietrich. Noch nicht geklärt sei, Inwieweit Rauchen auch mit einem erhöhten Kariesrisiko verbunden ist.

Rauchstopp nützt Körper und Zähnen

Ärzte sollten Menschen davon zu überzeugen, Nichtraucher zu bleiben oder es jetzt zu werden. Rauchen verkürzt die Lebenszeit. Von einem Rauchstopp profitiert der ganze Körper, vor allem aber die  Lunge und Gefäße. Auch die Zahngesundheit lässt sich bis ins hohe Alter beeinflussen. Zahnlosigkeit ist weltweit immer noch eins der großen Gesundheitsprobleme, die es zu lösen gilt. In Deutschland sind über 20 Prozent der Menschen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren betroffen.