Teenager haben nicht früher Sex

Hartnäckig hält sich die Meinung, dass Jugendliche immer früher sexuell aktiv werden. Damit räumte eine neue Studie jetzt auf.
Von Franka Dietz

Jugendliche sind sexuell aktiv und verhüten gut. Aber ihr „erstes Mal“ findet nicht – wie oft angenommen - immer früher statt. Zu diesem Schluss kam die neue Studie „Jugendsexualität 2015“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Bei der Verhütung verhielten sich die Teenager ausgesprochen umsichtig. Mehr als 90 Prozent der sexuell aktiven jungen Menschen sprechen mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin über Verhütung.

Das "erste Mal" findet nicht früher statt

Für die Studie wurden von Frühjahr bis Sommer 2014 im Auftrag der BZgA bundesweit 5.750 Interviews geführt. An der Studie nahmen 3.500 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren und deren Eltern sowie erstmals auch 2.250 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren teil. 1.750 der Teilnehmer hatten einen Migrationshintergrund. Die Forscher befragten sie zur Aufklärung in Schule und Elternhaus, zu ersten sexuellen Erfahrungen, ihrem Wissen über Verhütung und ihrem Verhütungsverhalten.

Bei den 14-Jährigen waren sexuelle Aktivitäten mit durchschnittlich sechs Prozent noch die Ausnahme. Dagegen hatten mehr als die Hälfte der 17-Jährigen schon erste Erfahrungen mit dem Geschlechtsverkehr. Mit 19 Jahren hatten 90 Prozent der jungen Frauen deutscher Herkunft schon ihr “erstes Mal" erlebt. Rund 70 Prozent der jungen Frauen mit ausländischen Wurzeln waren erst im Alter von 21 Jahren sexuell aktiv geworden. Für junge Männer war dies erst zwei beziehungsweise drei Jahre später der Fall.

„Annahmen, wonach immer mehr junge Menschen immer früher sexuell aktiv werden, bestätigen sich nicht“, betont Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA. „Positiv ist auch zu sehen, dass eine feste Partnerschaft jungen Menschen beim ‘ersten Mal‘ wichtig ist.“

Das sind die Gründe für sexuelle Zurückhaltung

Das Fehlen des „richtigen“ Partners war der Hauptgrund für die Zurückhaltung - unabhängig von Geschlecht und Herkunft. Für Mädchen und junge Frauen aus Migrantenfamilien spielen daneben moralische Bedenken eine wichtige Rolle. Beispielsweise gaben 28 Prozent das Motiv “vor der Ehe finde ich das nicht richtig“ als Grund für die sexuelle Zurückhaltung an. Bei Mädchen und jungen Frauen deutscher Herkunft traf dies nur für vier Prozent zu.

Für Mädchen und junge Frauen mit Migrationsgeschichte war bis ins Erwachsenenalter hinein noch ein anderes Motiv relevant: 20 Prozent gaben an, sie hätten Angst, „dass die Eltern davon erfahren“. Dieses Argument teilten Mädchen und junge Frauen aus deutschen Elternhäusern in jüngeren Jahren, mit zunehmendem Alter verlor es aber an Bedeutung.

Verhütung? Aber klar!

Das Verhütungsverhalten der 14- bis 17-Jährigen ist ausgesprochen umsichtig. Über 90 Prozent der sexuell aktiven jungen Menschen sprechen mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin über Verhütung. Wie sehr sich das Verhütungsverhalten verbessert hat, zeigt der Langzeitvergleich, der für deutsche Jugendliche vorliegt: 1980 trafen 29 Prozent der Jungen und 20 Prozent der Mädchen keine Verhütungsvorkehrungen beim “ersten Mal“, heute sind es nur noch sechs beziehungsweise acht Prozent.

Für Jugendliche mit Migrationshintergrund ist ein Trendvergleich nur für die vergangenen zehn Jahre möglich. Bei Jungen mit ausländischen Wurzeln ging die Zahl Nichtverhütender beim “ersten Mal“ von 34 Prozent im Jahr 2005 auf heute 10 Prozent zurück, bei den Mädchen von 19 Prozent auf 2 Prozent. „Es ist eine ausgesprochen erfreuliche Entwicklung, dass Jugendliche schon bei den ersten Sexualkontakten ganz besonders auf das Schutzverhalten achten“, erklärt Thaiss.

Das Kondom ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit deutlichem Abstand das Verhütungsmittel Nummer eins beim “ersten Mal“. 73 Prozent der 14- bis 25-Jährigen gaben dies an.

Lehrer  - wichtigste Ansprechpartner für Jungen

Das Elternhaus spielt bei der Sexualaufklärung eine wichtige Rolle. „Eltern sind für ihre Kinder wichtige Vertrauenspersonen und eine zentrale Beratungsinstanz in Verhütungsfragen“, sagt Thaiss. Je nach Herkunft leisten Eltern unterschiedliche Aufklärungsarbeit: 63 Prozent der Mädchen und 51 Prozent der Jungen deutscher Herkunft sprachen mit ihren Eltern über Verhütung, aber nur 41 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen aus Elternhäusern mit Migrationshintergrund.

Aber auch der Institution Schule kommt eine wichtige Aufgabe zu: Im Schnitt geben 93 Prozent der Jugendlichen an, Themen der Sexualaufklärung im Unterricht besprochen zu haben. Jungen nannten Lehrer und Lehrerinnen als erste Bezugspersonen für die Aufklärung. Für Jugendliche mit Migrationshintergrund sind sie die wichtigsten Ansprechpartner, weil die Eltern bei diesem Theam vielfach ausfallen.

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