Stress setzt Frauenherzen mehr zu

Das Herz ist ein sensibler Motor, der sich auch durch Stress aus dem Takt bringen lässt. Das Herz von Frauen ist stärker stressanfällig als das der Männer. 
Von Ingrid Müller
 

Herzrasen, Herzstolpern, Herzschmerz – die Körperpumpe des Menschen lässt sich auch durch Stress, Ärger und Sorgen beeinflussen. Es zeigen sich Symptome wie bei einem Herzinfarkt. Stress ist schon lange bekannt als Faktor, der mit Herzkrankheiten in Verbindung steht. Aber mentaler Stress setzt offenbar Frauenherzen mehr zu als den von Männern, bewiesen Forscher der Duke University School of Medicine.

Aufgaben lösen unter Stress

Sie analysierten Daten von 254 Männern und 56 Frauen, die unter einer ischämischen Herzkrankheit und vermindertem Blutfluss im Herzen litten. Die Probanden mussten stressige Aufgaben absolvieren, zum Beispiel komplizierte Rechnungen anstellen, Spiegelschrift entziffern oder sich an ärgerliche Dinge erinnern. Beispielsweise sollten sie ein Ereignis beschreiben, das sie wütend gemacht hatte, während die Forscher ihre Herzfunktion und andere Parameter des Körpers aufzeichneten.

Frauen reagieren anders auf Stress

In stressigen Zeiten reduzierte sich der Blutfluss zum Herzen (Ischämie) bei 57 Prozent der Frauen, bei den Männern waren es nur 41 Prozent. Die Minderdurchblutung des Herzens ist ein Merkmal von Herz-Kreislauf-Erkrankungen – oft führt dieser Faktor zum Tod. Außerdem stiegen bei Frauen unter mentalem Stress die negativen Emotionen stärker an, während gleichzeitig die positiven Empfindungen abnahmen. Bei den Männern kletterte dagegen der Blutdruck stärker, wenn sie unter Stress gerieten.

„Männer erlebten vielleicht weniger Veränderungen ihrer Emotionen, aber körperlich reagierten sie definitiv negativ auf Stress“, sagt der Studienleiter Zainab Samad. Auch die Blutplättchen verhielten sich bei Mann und Frau anders. Bei Frauen verklumpten sie stärker als bei Männern. Die Verklumpung der Blutplättchen kann zu einer Blockade der Gefäße und zu einem Herzinfarkt führen.

Andere Herztherapie bei Mann und Frau

„Wenn wir normalerweise unter Stress geraten, schlagen wir zurück oder rennen davon. Und dafür müssen wir mehr Blut in den Körper pumpen“, erklärt Studienautor Prof. Wei Jiang. „Unseren Daten zufolge reagieren Frauen aber nicht so wie die Männer es taten.“ Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern könnten auch ein Schlüssel sein, um die Prävention und Therapie von Herzkrankheiten besser auf Männer und Frauen zuzuschneiden.

Beim Ausgang von ischämischen Herzkrankheiten schneiden die Frauen deutlich schlechter ab als die Männer. Frauen seien unaufmerksamer, was die Risiken für Herzkrankheiten angeht, und suchten auch viel später einen Arzt auf. "Diese Ergebnisse könnten ein Hinweis sein, wo wir nachsehen müssen, um Herzkrankheiten besser zu behandeln, vor allem bei Frauen“, sagt Samad.

Datum: 17.10.2014

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