Karies - Pilz bohrt Löcher mit

Karies ist eine Volkskrankheit. Der Keim Streptococcus mutans gilt als wichtigster Verursacher von Karies -  aber allein ist er beim Löcher bohren nicht. 
Von Franka Dietz
Das Bakterium Streptococcus mutans ist ganz normaler menschlicher Mitbewohner. Bei fast allen Menschen lebt der Erreger im Speichel, meist steckt man sich schon als Kind mit dem Bakterium an – durch Küsse oder indem die Eltern den Schnuller ablecken. Bei der Bildung von Karies spielt Streptococcus mutans die Hauptrolle – aber er hat noch andere Mitstreiter, die ihm beim Löcher bohren helfen, wiesen jetzt Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig nach. Viele von ihnen lebten in der klebrigen Substanz, die Streptococcus mutans bildet, um auf den Zähnen Halt zu finden. Einer dieser Keime ist der Hefepilz Candida albicans. Das Karies-Bakterium werde in Anwesenheit des Pilzes noch schädlicher, erklärt Prof. Irene Wagner-Döbler vom HZI.

So verschaffen sich Kariesbakterien Vorteile

Die Pilze produzieren Signalmoleküle, welche die Bakterien aufnehmen, sobald eine bestimmte Konzentration überschritten ist. Es werden verschiedene Stoffwechselreaktionen ausgelöst. „Eine dieser Reaktionen ist die Aktivierung von Genen bei Streptoccoccus mutans, die zur Produktion zelleigener Antibiotika führen“, sagt Dr. Helena Sztajer, Erstautorin der Studie. So könne S.mutans andere Bakterien erfolgreich bekämpfen und sich selbst einen Vorteil verschaffen.

Streptococcus mutans - von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde

Außerdem kann das Bakterium in Anwesenheit des Pilzes eher fremdes Erbgut aufnehmen. „So kann es sich neue Eigenschaften aneignen, wie beispielsweise Antibiotikaresistenzen“, sagt Sztajer. Auch die Produktion klebriger Substanzen, eine wichtige Voraussetzung für die Haftung von S.mutans und der anderen Bakterien auf dem Zahn, wird durch den Pilz unterdrückt.

Streptococcus mutans und candida albicans
HZI/Rohde&Sztajer

Ob dadurch die Kariesbildung verstärkt wird, müssen Untersuchungen an Menschen zeigen. Fest steht, dass ein Keim durch das Zusammenspiel mit einem anderen Mikroorganismus seine Gefährlichkeit (Virulenz) völlig ändern kann – es wird von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde. Die Organismen spielten also als Verbund zusammen wie bei einem Orchester.

So entsteht Karies

Karies ist eine Erkrankung der Zähne, die durch den Stoffwechsel von Bakterien hervorgerufen wird. Sie heften sich in der Mundhöhle aneinander, kommunizieren miteinander und knüpfen regelrechte Netzwerke. Sie produzieren eine klebrige Substanz, die als Belag auf den Zähnen haften bleibt – es entsteht Zahnbelag. Zahnärzte bezeichnen ihn auch als Biofilm oder Plaque. Er muss regelmäßig entfernt werden, sonst können sich die Bakterien schnell vermehren. Ihre lebensnotwendige Energie gewinnen die Bakterien Zucker, der in den Lebensmitteln steckt. Er wird in bestimmte Säuren umgewandelt, vor alle Milchsäure, die wiederum den Zahnschmelz entkalken. Die Bakterien dringen über den porös gewordenen Schmelz in den Zahn ein und zerstören ihn. Es bildet sich ein Loch im Zahn - und damit Karies.

Datum: 15.10.2014

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