Auch Glück kann das Herz brechen

Das Glück ist offenbar ein genauso großer Herzensbrecher wie körperlicher oder seelischer Stress, welcher das „Broken-Heart-Syndrom“ auslösen kann. Auch positive Ereignisse schlagen aufs Herz.
Von Franka Dietz
Frau freut sich: Glück kann Symptome wie bei einem Herzinfarkt auslösen
Glück kann Symptome wie bei einem Herzinfarkt auslösen

Emotionaler oder physischer Stress kann das Syndrom des „gebrochenen Herzens“ auslösen - das ist schon länger bekannt. Es wird auch Takotsubo-Syndrom (TTS) oder „Broken-Heart-Syndrom“ genannt. Neue Auswertungen einer weltweiten Studie zeigten jetzt aber, dass die Herzerkrankung auch nach einem freudigen Erlebnis wie einer Party auftreten kann. Die berichten Forscher vom Universitätsspital Zürich.

Herzinfarkt-Symptome -  auch Glück kann dem Herzen zusetzen

Die Forscher werteten eine Studie weiter aus, an der sich 26 kardiologische Zentren aus neun Ländern beteiligten und die 1.750 Patienten einbezog. Bei 485 Studienteilnehmern konnten die Forscher definitiv auf emotionale Auslöser der Takotsubo-Kardiomyopathie schließen. Von diesen hatten 20 Personen (vier Prozent) eine akute TTS-Erkrankung, der ein freudiges Ereignis vorausging. Dazu zählten eine Geburtstagsparty, eine Hochzeit, der Sieg des Lieblings-Rugby-Teams oder die Geburt eines Enkelkindes. Die Forscher bezeichneten dies als „Happy-Heart-Syndrom“. Bei 96 Prozent der Patienten streikte das Herz aber aufgrund eines negativen emotionalen Ereignisses.

Gebrochene Herzen treffen vor allem Frauen

Die aktuelle Studienauswertung bestätigte die bisherigen Erkenntnisse - dass nämlich vor allem Frauen nach der Menopause an TTS erkranken. Sowohl in der „Happy-Heart“- wie in der „Broken-Heart“-Gruppe betrug der Frauenanteil 95 Prozent. Das Durchschnittsalter der herzkranken Frauen lag bei 65 Jahren in der „Happy-Heart“- und bei 71 Jahren in der „Broken-Heart“-Gruppe.

„Einer Takotsubo-Kardiomyopathie muss nicht zwingend ein negatives Stressereignis vorausgehen. Auch positive Emotionen können ein TTS auslösen“, fasst Dr. Jelena-Rima Ghadri zusammen. Ärzte in den Notfallstationen und -praxen sollten wissen, dass Patienten mit Anzeichen eines Herzinfarktes, zum Beispiel Brustschmerz und Atemnot, die zuvor ein fröhliches Erlebnis hatten, an einem Takotsubo-Syndrom leiden könnten, so Ghardri. Das Gleiche gelte für Patienten, die nach einer Stresssituation mit diesen Symptomen einen Arzt aufsuchten.

Doch warum sowohl positive als auch negative Erlebnisse Symptome eines Herzinfarktes auslösen können, ist derzeit noch unbekannt. Die Forscher vermuten aber, dass es  beim TTS eine aktivierten „Hirn-Herz-Achse“ gebe. „Diese Wechselwirkung zwischen Hirn und Herz untersuchen wir derzeit in einer weiteren klinischen Studie näher mittels funktionellem MRI“, erklärt Dr. Christian Templin.

Das steckt hinter der Takotsubo-Kardiomyopathie

Die Takotsubo-Kardiomyopathie, auch als «Syndrom des gebrochenen Herzens» bekannt, wurde erstmalig 1990 von japanischen Wissenschaftlern beschrieben. Sie nannten die Erkrankung «Takotsubo» (übersetzt Tintenfischfalle). Die linke Herzkammer ähnelt in der Erkrankungsphase speziellen, zum Tintenfischfang benutzten Tonkrügen mit einem engen Hals und bauchigen Körper. Die Takotsubo-Kardiomyopathie ist eine akute Pumpfunktionsstörung des Herzens, welche mehrheitlich Frauen betrifft. Neben Glücksgefühlen können vor allem negative emotionale oder physische Stressereignisse, etwa der Verlust einer geliebten Person oder Mobbing am Arbeitsplatz, sowie Glücksgefühle das Herz außer Takt bringen. Aber auch akute neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Epilepsie oder Hirnblutungen können zu TTS führen.

Die Erkrankung ähnelt in der akuten Phase einem Herzinfarkt, so dass eine Unterscheidung nur mittels Herzkatheter-Untersuchung gelingt, wobei sich – im Gegensatz zum Herzinfarkt – keine verstopften Herzkranzgefäße nachweisen lassen. Als Ursache wird eine vorübergehende Verkrampfung der kleinsten Gefäße im Herzmuskel vermutet, die zu einer Minderdurchblutung bis hin zum lebensbedrohlichen Pumpversagen führt.