Hämorrhoiden - wann zum Arzt?

Hämorrhoiden plagen viele Menschen. Doch falsche Scham beim Gang zum Arzt ist fehl am Platz. Darum sollten Sie frühzeitig einen Doktor aufsuchen!
Von Franka Dietz
Arzt und Patient: Bei Hämorrhoiden rechtzeitig zum Arzt gehen
Hämorrhoiden: Frühzeitiger Arztbesuch kann Operation verhindern

Inhaltsverzeichnis
Bildergalerie: Hämorrhoiden - so schützen Sie sich
Quiz: Hämorrhoiden - Laie oder Experte?
Hämorrhoiden - Ursachen und Hilfe
Hämorrhoiden in der Schwangerschaft
Hämorrhoiden in der Schwangerschaft - Tipps

Hämorrhoiden hat fast jeder Mensch. Rund 70 Prozent aller Erwachsenen leiden im Laufe ihres Lebens an einem Hämorrhoidalleiden. Häufig treten Hämorrhoiden in der Schwangerschaft auf. Trotz der unangenehmen und oft schmerzhaften Symptome suchen nur etwa vier Prozent der Patienten mit Hämorrhoiden einen Arzt auf. Der Grund: Hämorrhoiden sind ein Tabuthema. Die Mehrheit der Patienten versucht – häufig aus Scham – ihre Beschwerden durch Hausmittel und Salben selbst zu lindern, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Dabei könnte ein früher Arztbesuch eine Operation verhindern.

Hämorrhoiden behandeln ohne Operation

Schon bei ersten Anzeichen wie Juckreiz, Brennen und Schmerzen im Analbereich sowie Blut beim Stuhlgang oder am Toilettenpapier sollten Patienten mit Hämorrhoiden einen Haus- oder Facharzt aufzusuchen, rät die DGVS. Zögerten Patienten die Diagnose und Therapie der Hämorrhoiden hinaus, müssten die geschädigten Blutgefäße am After oft operativ behandelt werden. Bei einem rechtzeitigen Arztbesuch lassen sich die Beschwerden in mehr als 95 Prozent der Fälle konservativ – also ohne Operation – therapieren. Wirksam gegen Hämorrhoiden sind stuhlregulierende Medikamente, ausreichend Bewegung und eine ballaststoffreiche Ernährung.

Erreichen Patienten jedoch den dritten oder vierten Schweregrad der Erkrankung, ist häufig ein operativer Eingriff notwendig. „Von den rund 50.000 jährlichen Hämorrhoiden-Operationen in Deutschland ließe sich sicherlich ein Großteil verhindern, wenn Patienten frühzeitiger zum Arzt gingen“, sagt Peter N. Meier, Chefarzt der Klinik für Gastroenenterologie, DIAKOVERE Henriettenstift GmbH, Hannover.

Hämorrhoiden – die häufigsten Ursachen

Hämorrhoidalleiden zählen zu den häufigsten Beschwerden in Industrieländern – immer mehr Menschen sind davon betroffen. Experten vermuten genetische Faktoren, aber auch ungünstige Ernährung, mangelnde Bewegung und Übergewicht als Ursachen für die steigende Erkrankungshäufigkeit. „Ernährt man sich zu einseitig und ballaststoffarm, führt dies häufig zu Verstopfung. Beim Toilettengang erhöht sich aufgrund der Verstopfung der Druck auf die Hämorrhoiden, also jene Gefäße, die ringförmig in der Enddarmschleimhaut oberhalb des Schließmuskels verlaufen“, erklärt Meier. Komme es zu einem Blutrückstau, wölben sich die Gefäße mit der Schleimhaut nach außen und verursachen Probleme.

Bei der Entstehung von Beschwerden im Analbereich spielen häufig auch übertriebene Hygiene nach dem Stuhlgang, beispielsweise mit aggressiven Reinigungsmitteln oder rauem Toilettenpapier, eine Rolle, berichtet Meier. „Schonender als feuchtes Toilettenpapier ist die Reinigung mit einem wasserbefeuchteten Lappen oder einer Analdusche“, empfiehlt der Experte.

Juckreiz - nicht immer sind es Hämorrhoiden

Aber auch nicht jeder Juckreiz am After ist auf Hämorrhoiden zurückzuführen. Es gibt eine Vielzahl von Erkrankungen wie Ekzeme, Pilze oder Infektionen mit Herpes oder Humanen Papillomaviren (HPV), die ähnliche Symptome hervorrufen können. „Hier sind eine professionelle Differenzialdiagnose und gegebenenfalls labordiagnostische Maßnahmen notwendig“, betont DGVS-Mediensprecher Professor Christian Trautwein von der Uniklinik RWTH Aachen. „Am besten ist es, gleich einen Proktologen aufzusuchen - also einen Arzt, der auf Leiden des Enddarms spezialisiert ist.“

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