Bettnässen - was hilft?

Bettnässen ist ein Tabuthema. Die meisten Eltern erzählen nicht gerne, dass ihre Kinder nachts noch ins Bett machen. Doch was hilft bei Bettnässen?
Von Franka Dietz

Inhaltsverzeichnis
Was ist Bettnässen?
Wie häufig ist Bettnässen?
Bettnässen - Ursachen
Bettnässen – was tun?
Bettnässen - so hilft die Homöopathie
Bildergalerie: Bettnässen - 7 Tipps für den Alltag

Was ist Bettnässen?

Bettnässen – medizinisch Enuresis nocturna -  ist nichts Ungewöhnliches bei Kindern und Jugendlichen. Aber nach wie vor ist das Bettnässen ein Tabuthema unter den Eltern. Das gilt vor allem, wenn das Kind schon älter ist und noch ins Bett macht. Ab einem Alter von fünf Jahren können Eltern davon ausgehen, dass ihr Kind nachts durchschläft beziehungsweise von selbst aufwacht, wenn der Harndrang einsetzt und es zur Toilette muss. Doch nicht jedes Kind ist mit fünf Jahren soweit – es kann auch deutlich länger dauern, bis Ihr Kind trocken ist. Etwa jedes sechste Kind mit fünf Jahren ist Bettnässer. Es wird erst wach, wenn das Bett schon durchnässt ist. Dann heißt es: Bettzeug abziehen, waschen und das Bett neu überziehen. Für die ganze Familie kann dies belastend sein und die Familienidylle empfindlich stören. Aber: Schimpfen Sie Ihr Kind nicht und setzen Sie es auch nicht unter Druck – dies könnte das Bettnässen verschlimmern. Eltern brauchen vor allem eines: Geduld und Gelassenheit!

Wie häufig ist Bettnässen?

Jungen sind häufiger Bettnässer als Mädchen, was oft mit der späteren Entwicklung begründet wird. Die Häufigkeit des Bettnässens bei Kindern ist unterschiedlich – die einen machen einige Male im Monat, die anderen mehrmals wöchentlich ins Bett. Folgende Zahlen zeigen, wie häufig das Bettnässen ist: Von 100 Kindern und Jugendlichen sind mit sieben Jahren noch etwa sieben Kinder Bettnässer, mit zehn Jahren etwa fünf, mit 12 bis 14 Jahren zwei bis drei und ab 15 Jahren nur noch ein bis zwei Jugendliche. Das Bettnässen kann auch plötzlich erneut einsetzen, obwohl ein Kind schon einmal trocken war. Sekundäre Enuresis nennen Ärzte das. Der Grund können Stress und Probleme sein, etwa in der Familie oder in der Schule. Aber auch eine Nieren- oder Harnwegsinfektion sowie eine Diabeteserkrankung können in diesem Fall die Ursachen sein.

Bettnässen - Ursachen

Beim Bettnässen liegt meist keine körperliche Ursache zugrunde. Das Kind wird nicht wach, wenn die Blase prall gefüllt ist, der Blasenmuskel entspannt sich im Schlaf und der Urin ergießt sich ins Bett. Kinder sind übrigens nicht mit Absicht Bettnässer, sondern es passiert einfach. Ärzte vermuten, dass das Bettnässen mit verlangsamten Reifungsprozessen zu tun hat, die für eine Blasenkontrolle stattfinden müssen. Das Gehirn muss die Nervensignale, die aus der Blase eintreffen, richtig deuten und verarbeiten lernen – erst dann wacht das Kind auf, wenn es zur Toilette muss. Auch die Kontrolle über den Blasenschließmuskel müssen Kinder erst trainieren. Wissenschaftler gehen davon aus, dass beim Bettnässen auch erbliche Faktoren eine Rolle spielen. Untersuchungen zeigten, dass bei mehr als der Hälfte der bettnässenden Kinder auch andere Familienmitglieder betroffen waren.

Es gibt einige Faktoren, die das Bettnässen fördern können. Beispiele sind Verdauungsprobleme oder der Genuss koffeinhaltiger Getränke vor dem Zubettgehen. Selten sind Schlafapnoe, die nächtliche Produktion größere Harnmengen (nächtliche Polyurie), Diabetes oder Fehlbildungen des Harntraktes die Ursache des Bettnässens. Ein Arzt sollte abklären, was hinter dem Bettnässen steckt. Hier ist eine sorgfältige Diagnostik gefragt.

Bettnässen – was tun?

Das Bettnässen verschwindet in der Regel mit der Zeit von selbst. Allerdings brauchen Eltern (und Kind!) ein wenig Geduld, bis es trocken durch die Nacht kommt. Schwieriger wird es, wenn das Kind schon älter ist, zur Schule geht und noch Bettnässer ist. Es nagt am Selbstbewusstsein des Kindes, immer noch Bettnässer zu sein. Sie können Ihrem Kind beim Trockenwerden helfen und sich selbst den Alltag erleichtern. Folgende Maßnahmen helfen gegen Bettnässen (die Ansätze werden auch kombiniert eingesetzt):

Elektronische Wecksysteme

Am wirksamsten gegen das Bettnässen sind elektronische Wecksysteme, die Alarm schlagen, wenn die Blase voll ist. Dies haben Studien nachgewiesen. Beispiele für solche Wecksysteme sind Klingelhöschen oder Klingelmatten, welche die Nässe im Bett registrieren und das Kind schließlich aufwecken. Die Wecksysteme funktionieren per Lichtsignal, Vibrationsalarm oder Funk. Mit der Zeit lernt das Kind, schon vor dem Alarm aufzuwachen. Es können mehrere Monate vergehen, bis sich ein dauerhafter Erfolg einstellt.

Verhaltenstraining

Hier wird mit Belohnungssystemen, dem vorbeugenden Gang zur Toilette, begrenzten Trinkmengen und einem Blasentraining gearbeitet. Die Kinder führen etwa ein Blasentagebuch, lernen, nach Plan zu trinken, auf die Toilette zu gehen und dort richtig zu sitzen. So sollen sie mehr Gespür für Ihren Körper und die Blasenfunktion entwickeln. Das Verhaltenstraining erfordert Ausdauer und Willenskraft. Ob das Verhaltenstraining wirkt, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Aber einen Versuch ist es sicher wert.

Medikamente

Kurzfristig können aber auch Medikamente helfen. Für jüngere Kinder eignen sie sich aber weniger gut. Auch sind sie weniger wirksam als die elektronischen Wecksysteme bei Bettnässen. Arzneien gegen das Bettnässen sind das Hormon Desmopressin (es verringert die nächtliche Urinproduktion) und trizyklische Antidepressiva (auch Trizyklika). Das sind Medikamente, die für Depressionen, aber auch gegen Bettnässen zugelassen sind. Trizyklika verkürzen die Traumphasen des Schlafs, kurbeln die Produktion des Hormons Vasopressin an, das die Urinproduktion verringert, und wirken auf die Blasenmuskulatur. Die Medikamente helfen allerdings nur, solange sie das Kind sie einnimmt. Werden sie abgesetzt, kehrt das Bettnässen meist zurück.

Komplementärmedizin

Viele Eltern probieren alternative Heilmethoden wie Homöopathie, pflanzliche Produkte, Hypnose oder Akupunktur gegen das Bettnässen aus. Ein Nutzen dieser Methoden ist zwar nicht wissenschaftlich belegt, aber eventuell sind sie einen Versuch wert bei Bettnässen.

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