Wochenbett - die Rückbildung beginnt

Schon im Wochenbett beginnt die Zeit der Rückbildung. Im Körper finden große Umbauprozesse statt.
Von Erika Möller

Wenn Sie Ihr Kind zum ersten Mal in den Armen halten, sind alle Anstrengungen und Schmerzen vergessen. Sie haben es geschafft und sind bestimmt überglücklich. Jetzt haben Sie es sich verdient, erst einmal auszuruhen und das Glücksgefühl zu genießen. Denn einen großen Teil der Rückbildung übernimmt Ihr Körper ganz von allein.

Rückbildung in drei Abschnitten

Ihr Körper hat neun Monate gebraucht, um sich auf die Geburt vorzubereiten und jetzt braucht er eine erheblich Zeit für die vollständige Rückbildung. Die Rückbildungszeit wird in drei Abschnitte eingeteilt:

Frühwochenbett

Die gravierendste Umwandlung hat während der Schwangerschaft die Gebärmutter (Uterus) mitgemacht. Sie hat sich von etwa Birnengröße um das Sieben- bis Achtfache auf doppelte Kopfgröße ausgedehnt und muss sich nun wieder vollständig zurückbilden. Die Gebärmuttermuskulatur zieht sich schon sofort nach der Geburt zusammen. Die nachgeburtliche Uterusarbeit wird auch als Nachgeburt bezeichnet. Die Gebärmutter ist zu diesem Zeitpunkt etwa noch so groß wie ein Kinderkopf.

Der Wochenfluss (die Lochien), der jetzt beginnt und innerhalb von drei bis vier Wochen versiegt, setzt sich aus Blut, Wundsekret und Gewebeteilchen zusammen. Sie stammen aus der Wundfläche der Gebärmutter, die nach der Ablösung der Plazenta an der Uteruswand entstanden ist. Jetzt sind Hygiene und Sauberkeit äußerst wichtig, denn der Wochenfluss enthält viele Bakterien. Er endet, wenn die Innenwände des Uterus abgeheilt sind.

Durch den radikalen, hormonellen Umsturz kann es nach der Geburt zu Stimmungsschwankungen und sogenannten Wochenbettdepressionen kommen, die sich aber bereits wenige Tage später von alleine wieder geben.

Außerdem steigert in dieser Zeit die Hirnanhangdrüse die Bildung des Hormons Prolaktin, das eine verstärkte Durchblutung der Brüste und eine enorme Entwicklung der Brustdrüsen sowie den Milcheinschuss bewirkt. Die Vormilch der ersten Tage enthält unter anderem wichtige Abwehrstoffe für das Kind. Sie legt sich wie ein Schutzfilm auf seinen Magen-Darmtrakt und schützt den Säugling vor verschiedenen Krankheitserregern. Durch das Stillen wird das Zusammenziehen der Gebärmutter unterstützt.

Bei nicht stillenden Frauen werden häufig schon zehn Tage nach der Geburt die plazentaren Hormone abgebaut, und die Eierstöcke beginnen ihre gewohnte Tätigkeit aufzunehmen. Oft kommt es nach sechs Wochen wieder zur ersten Regelblutung, Dagegen wird sich bei der stillenden Mutter im Allgemeinen erst nach der Stillzeit die erste Periode einstellen. Dem Körper bleibt dadurch mehr Zeit für die gründliche Durchführung aller Rückbildungsprozesse.

Die Lockerung und Quellung der Gewebe nimmt ab, so dass Ringe, Schuhe und Socken, die vor der Geburt zu eng geworden sind, bald wieder passen.