Sexuelle Zufriedenheit steigern

Stellen Sie sich bitte vor, die Hälfte Ihrer unerfüllten sexuellen Wünsche ginge binnen kürzester Zeit in Erfüllung. Alles, was Sie dafür tun müssen – Ihre Wünsche aussprechen.
Von Miriam Osten
Klingt wie im Märchen, oder? Und kann doch Wirklichkeit sein. Und zwar in Ihrem Bett, Ihrer Küche, auf einer Wiese – oder wo auch immer Sie Sex haben möchten.

Sexleben - die Deutschen sind unzufrieden

Verabschieden Sie sich einfach von der knappen Hälfte der Deutschen, die mit Ihrem Sexleben unzufrieden sind. Sie glauben nicht, dass das so einfach geht? Es ist ganz einfach: Im Grunde brauchen Sie Ihrem Partner nur zu sagen, welche sexuellen Wünsche Sie haben und sie oder er wird die Hälfte dieser Wünsche erfüllen. Diese Zahlen sind durch eine Befragung von mehr als 51.000 Teilnehmern des Projekts Theratalk am Institut für Psychologie der Universität Göttingen belegt.

Sexleben - Befriedigung in der Partnerschaft

Diese Zahlen sollten Ihnen Mut machen, den ersten Schritt in ein befriedigendes Sexleben in Ihrer Partnerschaft zu tun. Indem Sie die heimlichen Wünsche Ihres(r) Liebsten herausfinden und diejenigen befriedigen, die auch zu Ihren Vorstellungen von einem erfüllten Sexleben passen. So werden Sie zur perfekten Liebhaberin bzw. zum perfekten Liebhaber. Und profitieren dabei selbst auf vielerlei Art: Sie werden glücklicher sein, sich attraktiver finden, Ihre Partnerschaft wird gestärkt und Sie werden sich sogar gesünder und jünger fühlen.

Sexuelle Unzufriedenheit ist weit verbreitet

Doch zunächst ein Blick auf eine eher triste Wirklichkeit. 49 Prozent, also knapp die Hälfte aller Deutschen, Männer wie Frauen, sind mit ihrem Sexleben nicht zufrieden, so das Ergebnis der Göttinger Forscher. Dabei sind es aber nicht die Singles, die besonders leiden, sondern vielmehr die Partner in festen Beziehungen. Laut der Studie berichtet in 65 Prozent der untersuchten Partnerschaften mindestens einer der Partner über Probleme mit dem gemeinsamen Sex.

Sexuelle Unzufriedenheit bei Paaren

Die sexuelle Unzufriedenheit liegt damit bei Paaren deutlich über dem Schnitt aller Deutschen. Und das wiegt schwer, wie folgender Vergleich verdeutlicht: Wer etwa mit seinem Partner ein Hobby nicht teilt, kann das ausgleichen, indem er es mit seinen Freunden ausübt. Wer aber mit dem Sex in der Partnerschaft unzufrieden ist oder wem er ganz fehlt, hat es nicht ganz so einfach. Denn wenn dieser Partner Sex außerhalb der Partnerschaft sucht, bricht er oder sie die Treue – und gefährdet in den allermeisten Fällen so die Partnerschaft.76 Prozent der Männer und 84 Prozent der Frauen, die einen Seitensprung zugegeben hatten, gaben denn auch an, wegen ihrer sexuellen Unzufriedenheit fremdgegangen zu sein. Mit den entsprechenden Risiken für die Partnerschaft.

Seitensprünge nicht selten

Und: Seitensprünge sind gar nicht so selten. Der Kondomhersteller Durex fand in einer Studie über das Sexualverhalten der Deutschen heraus: 44 Prozent der Deutschen haben ihren Partner beziehungsweise ihre Partnerin schon einmal betrogen (Männer: 49 Prozent; Frauen: 37 Prozent). Wie aus den Zahlen weiter hervorgeht, nimmt die Neigung zum Fremdgehen mit dem Alter zu. Während bei den 16- bis 20-Jährigen nur 27 Prozent erklärten, schon einmal untreu geworden zu sein, taten dies bei den über 45-Jährigen 46 Prozent.

Bestätigt wird der Zusammenhang von sexueller Unzufriedenheit und der Dauer einer Beziehung auch von den Göttinger Forschern. Ihr Ergebnis: Im Laufe der Jahre lässt die sexuelle Zufriedenheit in Partnerschaften drastisch nach. Im Mittel nimmt sie in den ersten zehn Jahren der Partnerschaft kontinuierlich ab, und erholt sich dann nie wieder. Doch das muss nicht sein, denn sexuelle Unzufriedenheit hat Ursachen. Und die können Sie bekämpfen. Und das Beste: Sie brauchen noch nicht einmal viel dafür zu tun.

Sexuellen Unzufriedenheit - Ursachen bekämpfen

Partner sind in der Regel sexuell zufrieden, wenn sich die Mehrzahl ihrer Wünsche erfüllt. Wie steht es um Sie und Ihren Partner? Sind Sie sicher, dass Sie seine Wünsche erfüllen? Kennen Sie seine Wünsche überhaupt? Und möchten Sie diese Wünsche überhaupt erfüllen? Wissen Sie, wie Sie die Wünsche erfüllen könnten? Viele Fragen, die persönlich beantwortet sein wollen.

Der wichtigste Grund für sexuelle Unzufriedenheit ist ganz simpel. Die meisten kennen schlicht die Wünsche ihres Partners nicht oder nur unzureichend. Das haben die Theratalk-Forscher in einer umfangreichen Studie mit mehr als 16.000 Männern und Frauen belegt. Sie fanden heraus: Im Durchschnitt werden 35 Prozent der sexuellen Wünsche der Männer erfüllt. Dem gegenüber stehen 65 Prozent unerfüllte Wünsche. Bei Frauen sind es im Mittel 44 Prozent der sexuellen Wünsche, die vom Partner erfüllt werden, während 56 Prozent ihrer Wünsche unerfüllt bleiben.

Sexuelle Zufriedenheit verbessern

Dabei schlummern aber in praktisch jeder Partnerschaft ungenutzte Reserven zur Verbesserung der sexuellen Zufriedenheit. Denn die Göttinger Forscher haben die Paare nicht nur nach ihren unerfüllten sexuellen Wünschen befragt. Sie haben die Wünsche der Partner auch miteinander verglichen und dabei etwas Erstaunliches festgestellt: Die Partner waren fast immer bereit, viele der jeweiligen Wünsche des anderen zu erfüllen oder hatten sogar selbst die gleichen Wünsche. Nur wussten sie nicht, dass Ihr Partner diese Wünsche auch hat. Die konkreten Zahlen dazu: 36 Prozent der unerfüllten sexuellen Wünsche der Männer und 40 Prozent der unerfüllten sexuellen Wünsche der Frauen könnten in Erfüllung ergehen, wenn die Partner nur von den Wünschen des anderen wüssten. Die Anzahl der erfüllten sexuellen Wünsche ließe sich also ganz leicht in etwa verdoppeln.

Sex macht zufriedener, wenn geredet wird

Mehr als die Hälfte der unerfüllten Wünsche würden befriedigt, wenn die Partner darum wüssten. Warum aber wissen die Partner offenkundig so wenig übereinander? Anders als in der Öffentlichkeit, wo sexuelle Themen durch Medien und Werbung allgegenwärtig sind, wird in Partnerschaften über kaum etwas anderes so viel geschwiegen wie über die eigenen sexuellen Wünsche. Hier liegt die Schamgrenze sehr hoch. Viele Männer und Frauen befürchten, vom Partner wegen der eigenen sexuellen Wünsche abgelehnt oder für abnormal gehalten zu werden. In der Regel aber zu Unrecht, wie die Zahlen über die Bereitschaft, Wünsche zu erfüllen, belegen.

Sexträume: So schaffen Sie es, über Ihre Wünsche zu sprechen

Trotzdem: Für viele Menschen ist ein offenes, partnerschaftliches Gespräch über Sex eine Hürde. Mit den Tipps des Sexualtherapeuten Klaus Heer ist diese Hürde leichter zu nehmen:

  • Finden Sie den richtigen Einstieg: Sex ist für die Paarbeziehung existenziell wichtig. Dementsprechend ernst­haft und seriös sollten Sie ein Gespräch darüber einfädeln. Völlig daneben sind flapsige Einwürfe nach der Art: „Wollen wir eigentlich in Zukunft Sex haben oder willst du lieber Golf spielen?“ Heer rät zu folgender For­mulierung: „Ich möchte gern eine halbe Stunde ungestört über ein Thema sprechen, das für uns beide wich­tig ist.“ Noch besser ist es, direkt einen Terminvorschlag anzubieten. „Lass uns bitte morgen Abend nach dem Essen über ein für uns beide wichtiges Thema reden.“
  • Schaffen Sie den richtigen Rahmen: Neben der Ankündigung eines wichtigen Gesprächs ist auch die richtige Wahl des Orts wichtig. Wer einmal direkt nach orgasmuslosem Vollzug das Thema an Ort und Stelle diskutiert hat, weiß, was dabei herauskommt – nämlich nichts. „Am besten raus aus den heimischen vier Wänden“, rät Klaus Heer. „Eine beliebige Parkbank ist dann genauso gut wie ein Restaurant. Das sollte allerdings eher laut als lauschig sein. Sonst gibt es zu viele Zuhörer.“ Die richtige Einstellung finden: Vereinbaren Sie ein Ziel für Ihr Gespräch. Das sollte in diesem Fall das Bemü­hen um besseren Sex sein. Und als erster Schritt dazu erst mal das offene Gespräch. Dieser Grundkonsens ist wichtig. Denn Sie werden nicht gleich im ersten Gespräch alles offenbaren. Vielmehr steigen Sie in einen Pro­zess ein, an dessen Ende ein zufriedenes Sexleben stehen kann.
  • Finden Sie die richtige Sprache: Erprobt ist der Dialog mit festgelegter Redezeit. Jeder darf jeweils sechs Minuten sagen, was er möchte, wünscht, träumt. Klaus Heer empfiehlt ferner, ein erotisches Drehbuch zu entwickeln. „Arbeiten Sie zusammen an der sexuellen Gestaltung eines Abends. Formulieren Sie Ihre Wünsche in einer neuen Form. Sprechen Sie von Lustgarten statt von Möse, vom blinden Freund des Mannes statt von Schwanz. Beschreiben Sie bis ins Detail, wie Sie berührt werden wollen.“ Das klingt zwar gewöhnungsbedürftig, wirkt aber luststeigernd.