Sex-Hormone machen gesund

Sex, Lust und Liebe können wie ein Jungbrunnen wirken, unsere Gesundheit erhalten und bei der Erholung von Krankheiten helfen. Doch wie geht das?
Sex, Lust und Liebe können wie ein Jungbrunnen wirken, unsere Gesundheit erhalten und bei der Erholung von Krankheiten helfen. Doch wie geht das?

Orgasmus produziert Sexualhormone

Grundlagenforscher in aller Welt versuchen zu klären, wie Gefühle entstehen, was beim Sex passiert und wie die damit verbundenen biochemischen Prozesse auf unsere körperliche und geistige Gesundheit wirken. Diese Wissenschaft steht noch am Anfang, aber einige grundlegende Prozesse sind bereits verstanden. Im Mittelpunkt dieser Prozesse stehen das Gehirn als Schaltzentrale und die Sinne als Eintrittspforte für sexuelle Reize. Das Gehirn produziert dabei verschiedene Hormone. Sie werden hier als Sexualhormone bezeichnet, da sie beim Sex wichtige Funktionen übernehmen.

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Sexualhormone werden schon von der ersten Streicheleinheit an verstärkt produziert. Bis zum Orgasmus steigt die Produktion weiter und erzeugt ein wahres Hormonfeuerwerk. Und genau dieser stete Hormonfluss und das abschließende Hormonfeuerwerk bewirken die Glücksgefühle und die meisten gesundheitsfördernden Effekte von Sex.

Sex ist gesundheitsfördernd

Die Sexualhormone haben einen tief greifenden Einfl uss auf unsere Gesundheit und Befindlichkeit. Das merken wir am ehesten, wenn der Hormonhaushalt gestört ist oder sich verändert: bei Jungen und Mädchen etwa in der Pubertät, bei Frauen beim Einsetzen der Menopause oder während des Menstruationszyklus. Aber Hormone steuern unser Verhalten auch, ohne dass wir es bemerken. So empfinden Männer Frauen dann als attraktiver, wenn bei den Frauen der Eisprung kurz bevorsteht und die Frau somit empfängnisbereit ist. Forscher legten Männern Photos von Frauen vor. Die Männer bezeichneten die Frauen überdurchschnittlich oft als hübsch und attraktiv, die vor oder während ihres Eisprungs aufgenommen worden waren. Offenbar, so die Studie, bewirken die weiblichen Hormone während des Eisprungs kleinste Veränderungen des Aussehens, die von den Männern unbewusst als anziehend wahrgenommen werden.

Nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung sind die wichtigsten durch Sex verstärkt ausgeschütteten Hormone:

Oxytocin – das Kuschel- und Liebeshormon

Dieses Hormon erfüllt im Körper die unterschiedlichsten Funktionen. Es wird vom Gehirn im Hypothalamus (Hirnanhangsdrüse), der wichtigsten Hormonschaltstelle, produziert und entfaltet seine Wirkung auf zweifache Weise: Erstens beeinflusst es über direkten Kontakt die Nervenzellen im Gehirn. Zweitens gelangt es über die Blutbahn in den übrigen Körper. Das Gehirn setzt Oxytocin in großen Mengen unter anderem frei bei zärtlichen Berührungen der Haut, sexueller Erregung und beim Orgasmus.

Eine hohe Konzentration von Oxytocin wirkt beruhigend und mindert Angstgefühle, macht weniger schmerzempfindlich und aktiviert das Immunsystem. Zudem lassen neue Forschungsergebnisse darauf schließen, dass eine hohe Konzentration von Oxytocin fürsorgliches Verhalten auslöst. Andererseits verursacht ein Mangel an diesem Botenstoff die Unfähigkeit zu sozialen Bindungen. In Tierversuchen wurde Ratten und Mäusen Oxytocin gespritzt. Sie zeigten daraufhin deutlich verstärktes sexuelles Interesse und wurden kontaktfreudiger. Ähnliche Effekte werden auch beim Menschen vermutet.

Dopamin – das Lusthormon

Dopamin spielt beim Sex und im Leben eine wichtige Rolle. Im so genannten limbischen System, dem Belohnungszentrum des Gehirns, steuert es den Grad unserer Zufriedenheit und des Wohlbefindens. Beim Sex wird es vermehrt ausgeschüttet und erzeugt so einen Zustand von Glück und Ausgeglichenheit. Dopamin erhöht zudem die allgemeine Aktivität und beugt depressiven Verstimmungen vor. Moderne Medikamente gegen Depressionen wirken direkt oder indirekt auf den Dopaminhaushalt des Gehirns und mindern so die Symptome.

Endorphine – die Glückshormone

Endorphine sind „endogene Morphine“, also vom Körper selbst produzierte Morphine, die schmerzlindernd wirken. Endorphine werden auch als Glückshormone bezeichnet, weil sie bei Ereignissen ausgeschüttet werden, die wir als positiv erleben. Beim Sex gelangen sie vor allem während des Orgasmus in den ganzen Körper. Ihre Produktion wird aber auch durch Streicheleinheiten, positive Gedanken oder im Zusammenspiel mit anderen Botenstoffen wie Oxytocin angeregt. Endorphine „belohnen“ Sie nach großen körperlichen oder geistigen Anstrengungen mit Glücksgefühlen, zum Beispiel beim Joggen oder nach einer bestandenen Prüfung.

Adrenalin – weckt und schärft die Sinne

Adrenalin wird ständig in den Nebennieren gebildet. Es ist das Hormon, das Sie wach hält und Ihre Aufnahmefähigkeit sicherstellt. Gemeinsam mit Dopamin bestimmt es wesentlich die Stimmungslage. Adrenalin gelangt beim Sex mit steigender Erregung verstärkt in den Organismus.

Östrogene und Progesteron – die weiblichen Hormone

Östrogene gehören zu den weiblichen Geschlechtshormonen. Sie werden – gesteuert vom Gehirn – vor allem in den Eierstöcken und in der Plazenta (dem Mutterkuchen) gebildet. Östrogene und ein weiteres weibliches Hormon, Progesteron, steuern die Ausbildung der weiblichen Geschlechtsorgane. Sie sorgen aber auch dafür, dass die Vaginalschleimhäute bei sexueller Erregung feucht werden. Außerdem verbessern Östrogene den Tast- und Geruchssinn. Sie stärken die Leistungs- und Reaktionsbereitschaft des Körpers sowie die Merkfähigkeit.

Östrogene sorgen darüber hinaus für eine verbesserte Durchblutung. Sie schützen die Haut, aber auch den ganzen Körper vor zellschädigenden so genannten „freien Radikalen“. Auf diese Weise halten Östrogene frisch und jung. Östrogene beugen auch dem Knochenschwund (Osteoporose) vor.

Testosteron – das männliche Hormon

Testosteron ist die biochemische Basis der Männlichkeit. Die Produktion wird von der Hirnanhangsdrüse (Hypothalamus) gesteuert. Sexuelle Erregung steigert messbar die Konzentration von Testosteron im männlichen Blut. Testosteron fördert die Vermehrung der Muskelmasse. Zudem bewirkt Testosteron eine Senkung des Cholesterinspiegels. Ein zu hoher Cholesterinspiegel ist eine der wichtigsten Ursachen für die Todesursache Nummer eins in Deutschland: Herzinfarkt. Die erhöhte Testosteronproduktion beim Sex vermindert somit Ihr Herzinfarktrisiko.

Durch die vermehrte Ausschüttung von Testosteron beim Sex werden Männer aber auch durchsetzungsfreudiger und verbessern ihre Wahrnehmungsfähigkeiten sowie ihr Lern- und Denkvermögen.

DHEA – das unerforschte Hormon

Aus DHEA (Dehydroepiandrosteron) werden viele der unterschiedlichen Sexualhormone sowohl beim Mann als auch bei der Frau gebildet. Es ist das am häufigsten vorkommende Hormon im Körper, über seine Wirkungsweise ist aber wenig bekannt. Klar ist nur: Die Produktion lässt im Alter deutlich nach. In Tierversuchen wurde DHEA erfolgreich eingesetzt, um altersbedingte Beschwerden zu behandeln. Bei Menschen soll es das Immunsystem stärken, den Cholesterinspiegel günstig beeinflussen und die Merkfähigkeit verbessern. Bewiesen ist das nicht.

Dennoch gilt DHEA in den Vereinigten Staaten als eine Art Superhormon, dass alle positiven Effekte der Sexualität befördern kann. Es ist dort frei verkäufl ich und wird von vielen Menschen eingenommen. Europäische Ärzte hingegen sind eher skeptisch. Sie empfehlen, DHEA keinesfalls ohne ärztlichen Rat zu nehmen.

Serotonin und Prolaktin - weitere Sexualhormone

Beim Sex werden etwa auch noch verstärkt die Hormone Serotonin und Prolaktin gebildet. Serotonin bestimmt die Entspannungsphase nach dem Orgasmus. Die Partner fühlen sich wohl und ausgeglichen. Das Serotonin bewirkt ein ganzheitliches Gefühl der Glückseligkeit. Prolaktin baut körperliche und seelische Anspannungen ab. So hilft es, verspannungsbedingte Beschwerden wie Spannungskopfschmerz oder Rückenschmerzen zu lindern und Stress abzubauen.