Heinz Beck

Dass ein Deutscher die Nummer 1 unter Roms Köchen ist, dürfte einigen Italienern schwer im Magen liegen - doch spätestens nach dem Genuss seiner Pasta muss das flaue Gefühl purem Wohlbefinden weichen. Die Rede ist von Heinz Beck, dem Küchenchef, der ohne Rezepte kocht. Um ein Haar wäre ihm die Karriere als Koch verwährt geblieben, erst per Los fiel die Entscheidung.

Geboren am...

2. November 1963 in Friedrichshafen am Bodensee. Begeistert von der heimischen Küche wollen sowohl Heinz als auch sein Zwillingsbruder Herrmann Beck ursprünglich eine Kochlaufbahn einschlagen. Der Vater aber ist anderer Ansicht, ihm genügt ein Koch in der Familie. Schließlich entscheidet das Los, der Glückliche ist Heinz.

Wie alles begann

Auf seinem Weg zum Erfolg durchläuft Heinz Beck viele Stationen. In der Ausbildung zum Koch im „Hotel Holzapfel" im niederbayrischen Bad Füssing erlernt er das Handwerk von Grund auf. Danach ergreift Beck 1985 die Chance, beim Münchner Party Service „Feinkost Käfer" als Jungkoch erste Sterneluft zu schnuppern. Nach drei Jahren im Hotel „Colombi" (Freiburg/Breisgau) holt ihn Heinz Winkler zurück nach München, Beck wird Chef de Partie im berühmten Gourmetrestaurant „Tantris". Anfang 1991 zieht es Winkler nach Mallorca. Heinz Beck tut es ihm gleich und wird stellvertretender Küchenchef im Zwei-Sterne-Restaurant „Tristan". Nach dem Intermezzo am Mittelmeer klettert Beck auf der Karriereleiter noch höher, wiederum unter Heinz Winkler. In dessen Residenz in Aschau (Chiemgau) erweitert das aufstrebende Talent sein Repertoire. Nebenher schließt Beck seine Ausbildung zum Küchenmeister in Altötting ab und stellt die erworbenen Fertigkeiten im Anschluss als Chef de Cuisine im Berliner „Esplanade Grand Hotel" unter Beweis.

Meilensteine seiner Karriere

Mit 31 Jahren wagt der Deutsche schließlich den größten Schritt seiner bisherigen Laufbahn: Ohne ein Wort Italienisch zu sprechen übernimmt Heinz Beck im rundum erneuerten „Rome Cavalieri Hilton“ die Leitung des Restaurants „La Pergola“. Viele Meisterköche mögen den Gipfel der Gastronomie im Laufe ihres Schaffens erreicht haben, doch bei keinem trifft dies so wörtlich zu wie bei Heinz Beck. Wer bei ihm diniert, genießt auf der Dachterrasse des römischen Hiltons hoch über den Dächern der ewigen Stadt einen atemberaubenden Ausblick. Doch aller Anfang ist schwer: Den deutschen Koch auf dem Hügel Monte Mario nimmt niemand ernst - bis sich allmählich herumspricht, wie im „La Pergola“ aus besten Zutaten deliziöse Gaumenfreuden in außergewöhnlicher Atmosphäre entstehen.

Auszeichnungen

Der Jubel der italienischen Feinschmecker macht auch die Fachwelt auf Becks Restaurant aufmerksam. 1998 verleiht ihm die American Academy of Hospitality Sciences ihren "Five Star Diamond Award". Das erste Mal seit 30 Jahren geht auch die italienische „Medaglia d'oro del Foyer degli Artisti" wieder an einen Koch. Mit dieser besonderen Auszeichnung für Künstler ehrt die römische Universität La Sapienza Beck im Jahr 2000. Außerdem wird sein Kochbuch „Heinz Beck" 2003 zum besten Buch eines Küchenchefs weltweit gekürt.

Der Guida Rossa, wie Michelins Restaurantführer in Italien genannt wird, adelt den Küchenchef bereits 2001 mit zwei Sternen. Und 2005, pünktlich zum 50. Geburtstag der Gourmet-Bibel, weicht die Kochhaube des Deutschen dann der Krone: Heinz Beck erhält den dritten Michelin-Stern. In Italien können diesen nur vier weitere Restaurants vorweisen. Und schenkt man den Volkenborn'schen Restaurant-Hitlisten Glauben, gab es 2007 auf dem gesamten Stiefel kein besseres Gourmetrestaurant als das „La Pergola".

Für Beck selbst ist jedoch die größte Ehre, dass seine Küche von den Einheimischen geschätzt wird. „Ein italienisches Publikum in Rom ist für mich das höchste Lob", bekennt er in einem Zeitungsbericht.

Kurioses

Rezepte? Fehlanzeige. Mengen- und Zeitangaben braucht das Team um Heinz Beck nicht. „Zu abstrakt", erklärt der Meister. Da sich die Güte der Zutaten täglich ändere, wird eben „produktgerecht" gekocht. Der sichere Umgang mit den Ingredienzien zeichne einen guten Koch erst wirklich aus, so das Motto von Heinz Beck.

Rotes Meersalz aus Hawaii: Im „La Pergola" wird nichts dem Zufall überlassen. Ob zwölfseitige Mineralwasserkarte oder sieben unraffinierte Salze - die Auswahl ist rekordverdächtig. Allein gelassen wird der Gast mit dem überwältigenden Angebot aber nie. Die kompetente Beratung des Sommeliers in Sachen Wein gehört ebenso zum perfekten Service wie die Vorstellung verschiedener Pfeffersorten, die anschließend vor den Augen der Kundschaft gemahlen werden.

Spezialitäten

Die leichte mediterrane Küche aus den Trattorien Roms hat es Beck angetan und zieht sich heute durch sämtliche seiner Gerichte - bereichert um die persönliche Note des deutschen Küchenchefs. Besonderen Wert legt er auf klar erkennbare Zutaten: nicht zu kompliziert, nicht zu schwer. Neben klassischen Spezialitäten wie frischem Obst und Gemüse von den Märkten der Stadt gibt es köstliche Pasta, zartes Fleisch und delikate Meerestiere. Im Weinkeller des „La Pergola" lagert zudem eine riesige Auswahl edler Tropfen. Gut 1700 Sorten dürften das Herz eines jeden Weinliebhabers höher schlagen lassen.

Motto

Im „La Pergola" ist ein motiviertes Team am Werk, das sich wirklich Gedanken um das Wohlbefinden der Gäste macht. Beck, der heute mit einer Sizilianerin verheiratet ist, verwöhnt in luftigen Höhen mit einem harmonischen Gesamtkunstwerk, das alle Sinne reizt. „Wir verkaufen Illusionen. Aber um das zu schaffen, müssen wir sehr, sehr rationell sein", schreibt er in einem seiner Bücher.

Was gibt's sonst noch von ihm?

Obwohl er selbst keine Rezepte benötigt, macht der Meisterkoch aus seinen Kreationen kein Geheimnis. Im Gegenteil, als Autor von mittlerweile fünf Kochbüchern gibt er hilfreiche Anleitungen sowie Tipps und Tricks für alle, die seine Gerichte am eigenen Herd nachkochen wollen.

 

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