Übelkeit ist eine Befindlichkeitsstörung, die von Betroffenen auch als "flaues" Gefühl in der Magengegend oder als Gefühl mit Brechreiz bezeichnet wird. Sie kann als Schutzfunktion nach Aufnahme von Schadstoffen oder als Symptom einer Krankheit auftreten. An der Entstehung von Übelkeit können sowohl das zentrale Nervensystem (Steuersystem in Gehirn und Rückenmark) als auch das vegetative Nervensystem (willentlich nicht beeinflussbares Nervensystem) beteiligt sein. Das Brechzentrum liegt im verlängerten Rückenmark (der Medulla oblongata) und löst bei anhaltender Übelkeit oder sich verstärkender Übelkeit Erbrechen aus.
Beim Erbrechen ziehen sich die Magenmuskulatur, die Bauchmuskulatur und das Zwerchfell unwillkürlich zusammen und der Nahrungsbrei wird rückläufig durch den Mund entleert. Dieser einfache Ablauf ist in der Gesamtheit betrachtet ein sehr vielschichtiger Vorgang, der im Brechzentrum des Zentralnervensystems koordiniert wird.
Übelkeit und Erbrechen zählen zu den typischen Begleiterscheinungen bei Verdauungsbeschwerden oder Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Sie können auch bei anderen Erkrankungen als Beschwerden auftreten wie beispielsweise bei Migräne. Außerdem können Übelkeit und Erbrechen als Nebenwirkung bei der Einnahme verschiedener Medikamente auftreten. Besonders unangenehm ist das Auftreten im Verlauf einer Therapie mit
Zytostatika. Auch Vergiftungen und eine Überdosierung von süchtig machenden Substanzen gehen mit Übelkeit und meist auch Erbrechen einher
Besondere Formen der Übelkeit bestehen bei einer
Schwangerschaft.
- Emesis gravidarum
Zwischen fünf und 20 Prozent aller Schwangeren sind davon betroffen. Die Emesis gravidarum tritt vorwiegend bei Erstgebärenden sowie bei Mehrlingsschwangerschaften auf. Die Frauen leiden an Brechreiz, Übelkeit und, vorwiegend morgendlichem, Erbrechen. Es kann zu einer geringen Gewichtsabnahme kommen. Im Allgemeinen verschwinden die Beschwerden in der achten bis zwölften Schwangerschaftswoche. Bei leichtem Erbrechen kann meist auf eine Therapie verzichtet werden. Eine Betreung und Überwachung der Schwangeren sind aber dennoch erforderlich und empfehlenswert.
- Hyperemesis gravidarum
Die Hyperemesis gravidarum stellt eine Steigerungsform der Emesis gravidarum dar. Es sind ungefähr zwei Prozent aller Schwangeren betroffen. Zusätzlich zu den hormonellen Ursachen wird hier eine starke psychische Komponente vermutet. Dieses Krankheitsbild stellt eine ernste Bedrohung für die Schwangere dar. Es ist durch häufiges, unstillbares Erbrechen, bis zu zehnmal täglich und mehr, gekennzeichnet. Infolge des erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlusts verschlechtert sich der Allgemeinzustand der Schwangeren innerhalb weniger Tage. Die Frauen sind häufig benommen, können erhöhte Temperaturen aufweisen und zeigen häufig schon früh eine Gelbfärbung der Haut als Ausdruck einer Leberfunktionsstörung.
Erbrechen führt zu deutlichen Verlusten an Flüssigkeit. Durch Verlust an Magensäure kann es auch zu Verschiebungen im
Säure-Basen-Haushalt des Körpers kommen.