Orthopädie: Das sagt der Experte, Teil II

ellviva: Gehen wir noch mal an den Anfang einer Krankengeschichte zurück. Ein Patient hat seit sagen wir zwei Wochen Rückenschmerzen. Was soll er tun? Erst den Hausarzt aufsuchen?

Dr. Rauschmann: In einem solchen Fall kann zunächst der Hausarzt helfen. Bei 70 Prozent der Leute, die unter Rückenschmerz leiden, verschwindet das Rückenleiden sogar ohne medizinische Therapie. Kritisch wird die Situation erst, wenn sogenannte Red Flags vorliegen. Red Flags nennen wir Signale für gravierende Schmerzursachen.

ellviva: Liegt nicht genau in jenen 70 Prozent, die sich ohne ärztliches Zutun von ihren Rückenproblemen erholen – so erfreulich das ist –, auch ein Problem? Denn so weiß der Laie nie, ob die Maßnahmen erfolgreich waren oder ob die Schmerzen nicht auch ohne Therapie verschwunden wären.

Dr. Rauschmann: Genau aus diesem Grund muss man alle therapeutischen Maßnahmen, die in der Anfangsphase eines Rückenleidens getroffen werden, kritisch hinterfragen. Es steht außer Frage, dass jeder Patient Schmerzen hat. Daher ist auch eine medikamentöse Therapie eine sinnvolle Begleitmaßnahme. Andere passive Therapieformen wie etwa Massagen oder Fangotherapie, also die Behandlung von Schmerzen durch Heilerde, sind grundsätzlich auch nicht verkehrt. Allerdings werden sie nicht mehr häufig empfohlen. Die bevorzugten Therapieformen sind mittlerweile diejenigen, in denen der Patient aktiv beteiligt wird. Vor allem bei der Krankengymnastik oder den therapeutischen Formen der Rückenschule ist dies der Fall. Daher sind diese Behandlungsformen bei der Schmerztherapie unbedingt den passiven Therapien vorzuziehen.

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