Erstgeborene - Beschützer für Geschwister

Die Erstgeborenen sind Neuland für die frischgebackenen Eltern - sie nehmen oft eine besondere Stellung ein. Oft kommt der Schock, wenn ein Geschwisterchen im Anmarsch ist.
Von Sabine Haas
Erstgeborener, Stammhalter, Ältester – das erste Kind eines Paares nimmt meist eine herausragende Rolle in der Familie ein. Schließlich ist seine Geburt für die Eltern ein ganz besonderer Einschnitt im Leben. Aber auch in der Geschwisterhierarchie kommt Erstgeborenen eine spezielle Position zu.

Neue Rolle für werdende Eltern

Das erste Kind erwarten werdende Eltern meist mit enormer Spannung. Die Schwangerschaft, die bevorstehende Elternrolle - das alles ist völlig neu und ungewohnt. Sobald das Kind auf der Welt ist, bekommt es deshalb meist sehr viel Aufmerksamkeit: von den Eltern, den Großeltern, von Tanten, Onkels und Freunden der Familie. Das wirkt sich auf den Verlauf seiner Kindheit und auf auch das spätere Erwachsenenleben aus.

Erstgeborene mit Erwachsenen als Vorbilder

Stärker als zweit- und drittgeborene Kinder sind Erstgeborene in den ersten Lebensjahren von Erwachsenen umgeben. Das führt automatisch dazu, dass sie sich an den Erwachsenen orientieren und als Vorbilder für ihre eigenen Verhaltensweisen betrachten. Zudem möchten viele Eltern beim ersten Kind alles richtig machen und schenken dem Kleinen sehr viel Zuwendung und Förderung. Das alles hat zur Folge, das Erstgeborene sich meist schneller entwickeln als mittlere Kinder (Sandwichkinder) oder Nesthäckchen.

Schock - ein Geschwisterchen kommt

Wenn ein Geschwisterchen geboren wird, kann die Welt des erstgeborenen Kindes vorübergehend aus den Fugen geraten. Plötzlich ist ein anderes kleines Wesen da, mit dem man alles teilen muss - vor allem die Aufmerksamkeit der Erwachsenen. Das kann zunächst ein Schock für das erste Kind sein. In diesem Zusammenhang sprechen Experten auch von der „Entthronung des Erstgeborenen": Das ältere Kind muss auf einmal zurückstecken und lernen, auf das kleine Geschwisterchen Rücksicht zu nehmen und es als Teil der Familie zu akzeptieren. In diesem Alter verkraften die Erstgeborenen am besten die Geburt eines zweiten Kindes.

Erstgeborene als Lehrer und Beschützer

Hat sich das erstgeborene Kind an den Familienzuwachs gewöhnt, schlüpft es oft in die Lehrer- und Beschützer-Rolle gegenüber dem jüngeren Geschwisterchen. Mit großem Elan macht es vor, wie manche Dinge funktionieren und verteidigt die oder den Kleinen vor anderen Kindern. Gleichzeitig führt das erstgeborene Kind aber auch das Kommando an, nach dem sich kleinere Geschwister zu richten haben. Diese Rolle des Anführers und Ratgebers behalten Erstgeborene innerhalb der Familie meist ein Leben lang. Durch diese Verhaltensweisen lernen sie selbst viel - auch fürs Erwachsenenalter. Sie entwickeln sich meist zu ehrgeizigen und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten.